Jul 5 2010

Liebeserklärung

penelope araña de la selva

Manchmal da sehe ich in die Seelen deiner Dämonen,

Die ganz nah neben meinen schweben,

Manchmal da blicke ich in die Tiefen Deiner Abgründe,

Die dunkel, wild und artverwandt an meine grenzen.

Ganz ehrlich sind mir Deine lieber als die meinen,

Deine kann ich kosen, streicheln und bewundern,

Doch die meinen sind dafür gänzlich ungeeignet,

Sind zu gierig, sind zu schroff und viel zu ungebührlich.

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Jun 23 2010

Nebelbänke II

raissale

Sie hörte ihm nicht richtig zu, ihr Widerwille wuchs mit jedem seiner Worte, seine Sätze blähten sich wie in der Sonne verderbender Pansen.

„Du wirst schon sehen, dass ich Recht habe….“, drang es aus dem Hörer.

Als sie jünger war, hatten seine blasierten und selbstgefälligen Belehrungen sie belustigt. Er war das hechelnde Klischee eines Spießers, ein galliges Konzentrat kleinbürgerlicher Ängste, das sich, wie ein giftiger Springteufel, in ihrem Leben häuslich eingerichtet hatte.

„Ich bin meinem Vater heute überaus dankbar, dass er mir….“

Wie unpassend von ihm, nun seinen Vater zu bemühen, dachte sie, hatte er doch bei Zeiten den Geruch seines proletarischen Elternhauses abgelegt. Er hatte geradezu versessen daran gearbeitet, sich soweit wie möglich von seinem Unterschichtsmilieu zu entfernen.

Sie sah hinter seiner artifiziellen zusammengestümperten Fassade, nur einen jämmerlichen hypochondrischen Egoisten, der mit 40 Jahren nicht in der Lage war sich selbstständig vernünftig anzuziehen. Kelsterbacher Charme nannte sie seinen fehlenden Kleidungsstil.

„Mit Deiner Einstellung wirst Du nicht weit kommen, an Verlierer verschwendet man keine Energie…“

Sie knallte den Hörer wütend auf. Das Telefon klingelte nach wenigen Sekunden erneut, er war scheinbar noch nicht zum Höhepunkt gekommen. Sie brüllte in den Hörer „Du bist ein kleiner jämmerlicher Wichser“ und riss die Telefonschnur aus der Wand.

Sie warf sich auf ihr Bett und zählte die Atemzüge bis der Ekel abklang und eine kleine scharlachfarbene Genugtuung an der Oberfläche ihrer Seele erschien. In diesem Moment vor dreiundzwanzig Jahren war ihr schlagartig klar geworden, dass sie ohne ihn besser klar kommen würde.

DJ Ötzi schreckte sie erneut aus Ihren Gedanken auf, unerbittlich und bizarr tanzte der Klingelton zwischen ihren Gedanken und den leblosen Körper ihres Vaters auf und ab.

Nun lag er hier auf dem Nussbaumparkett in einer blasigen Pfütze langsam trocknenden Blutes und seinem toten Körper entfuhren, wie zu Lebzeiten feuchte Pfürze. „Unangenehme Angewohnheiten können einen scheinbar überdauern“, dachte sie angewidert, und wählte die Nummer der Polizei.

von Raissa Lechnevkova, Krasnojarsk 21.06.10, übersetzt von R.C. Kandorowitsch

Was hatte sich zwische Ihr und ihrem Vater zugetragen? Wird die Polizei sie verdächtigen? Und wer rief immer auf dem Handy Ihres toten Vaters an?

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Jun 22 2010

Zerfloss´ne Liebe

dasunbekannt

War denn jemals etwas da,
bei Dir, bei mir, irgendwas?

Was ist das jetzt, gekränkte Eitelkeit,
Vernunftentscheidung, Verständnis,
verschiedene vernünftige Variationen
einer Erklärung,

die mir erklärt, warum ich mich jetzt besser fühle.
Wieso sollte ich sauer sein?
Ich weiß doch, Du bist nur aus Stein,
Im Herz, im Bauch und auch im Hirn.

Nicht viel los. Du bis mir eigentlich schon,
immer nur auf den Keks gegangen.

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Mai 1 2010

Nebelbänke I

penelope araña de la selva

Sie öffnete die Verandatür. Die Hitze versetzte ihr unmittelbar eine
trockene Backpfeife und kroch an ihr vorbei in ihr Arbeitszimmer.
Ein leichter Schauer schüttelte sie kurz, spitze Sonnenfinger piekten in
ihre blasse Haut. Um die Gänsehaut zu vertreiben, trat sie hinaus auf die
Terrasse und bedauerte dies im gleichen Augenblick. Samstägliche
Geschäftigkeit in den Nachbarsgärten ließ sie erneut erschauern.

Was war das bloß, dachte sie, für eine Abneigung gegen alles Gesunde und Bodenständige, gegen ausgelassenes Kindergekreische, Hundegebell, Geschirrgeklapper, gegen den Geruch frisch gemähten Grases, das sich mit dem Viertacktergemische des Rasenmähers vermengte. Wann hatte das nur angefangen, dieser regelrechte Ekel vor menschlicher Nähe.

Sie seufzte und schaute in den Himmel hinauf, keine noch so winzige Wolke
kein noch so unscheinbarer Windhauch, nur strahlendes Himmelblau, eine
riesige gleißende Sonne und die erdrückende Hitze. Kaiserwetter hatte man
früher gesagt, dachte sie, heute denkt man ehr an Klimakatastrophe.
Ihr Nachbar von links hatte sie entdeckt, ruckartig drehte sie sich um und
trat zurück ins Haus. Mit einem kleinen Schnappen schloss der Riegel die
Tür und die Außenwelt ab.

Ihr Arbeitszimmer war noch immer kühl. Sie hatte den Bungalow gekauft, weil
er mit seinen dicken Wänden und den niedrigen Fenstern wie ein panic room
oder ein Bunker wirkte. Kein Geräusch drang hinein oder hinaus.
Sie atmete langsam und tief durch, dann streckte sie den Rücken durch, hob
das Kinn einige Millimeter an und genoss die Spannung, die automatisch
durch ihren Körper floss. Mit einer energischen Bewegung strich sie sich
die Harre zurück, so als könne sie gleichzeitig alle dunklen Gedanken
hinwegfegen. Sie rief sich zur Ordnung, gerade jetzt musste sie sich
zusammenreißen. Sie musste sich sammeln, und einen Plan fassen.
Wieder begann das Mobile zu klingeln. DJ Ötzi trällerte aufdringlich und
albern „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ in die dumpfe Stille.

Das Blut wich aus Ihrem Kopf und sie dachte einen Augenblick, es würde
ihren Körper verlassen. Aber sie hatte ja kein Loch im Kopf, wie der
Leichnam ihres Vaters, der vor ihr auf dem Teppich in einem kleinen See aus
Blut lag. Das Klingeln drang aus dem Inneren seines Sakkos und schien nie
mehr aufhören zu wollen.

Fortsetzung folgt…

Was war geschehen? Was sucht die Leiche Ihres Vaters in ihrem Wohnzimmer? Hat sie ihn erschossen? Wie geht es weiter? Wer hat eine Idee?

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Apr 8 2010

Haiku für den Frühling

hanns

Verdammter Frühling,

schon zu Heiss, alle schwitzen,

sind unzufrieden.

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Mrz 24 2010

Banales Mittwochshaiku

hanns
und ich sitze hier,
vorbeigehende menschen,
termin in frabkfurt.

und ich sitze hier,

vorbeigehende menschen,

termin in frankfurt.

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Mrz 19 2010

Ende

penelope araña de la selva

Alles strebt dem Ende zu
Morgenrot und Frühlingswind
Wiegen uns im lauen Glauben
an die Siege die noch kommen

Doch eines nur ist uns Gewiss
von Grabesruh und Tiefseeschlaf
trennt uns nur ein Flügelschlag
Alles strebt dem Ende zu

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Mrz 17 2010

Starmalerei

hanns

traurig

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Feb 15 2010

Traummalerei

hanns
Hanns prügelt sich schon wieder. Ach, dauernd.

Hanns prügelt sich schon wieder. Ach, dauernd.

Hey Arzt, ich mal Dir was. Ich hoff´es macht Dir Spass.

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Feb 10 2010

Ich hab’ übrigens letzte Nacht von Dir geträumt

arzt

Ich träume sehr, sehr, selten in letzter Zeit, muß zumindest viele
Monate her sein. Also will ich Dir den Traum erzählen.

Wir. Draußen. Dunkel oder halb. Trinken. Bier. Musik. Straßenfeier?
Alles sehr lebhaft, irgendjemand pöbelt in 27m Entfernung rum oder
sagt irgendwas unfreundliches. Du gehst hin und ich mach mir Sorgen.
Ihr schlagt Euch. Du und zwei andere. Du teilst aus, steckst aber auch
ein. Ich hab Angst, mit eingreifen zu müssen, ich hasse sowas. Aber
da führen Dich schon zwei in meine Richtung. Keine Schläge mehr,
Du hast bestimmt ausgeteilt, siehst aber auch ziemlich lädiert aus.
Schnitt. Wir sitzen irgendwo drinnen. Kneipebar. Grün. Gemütlich.
Du siehst unverändert lädiert aus. Du erzählst irgendwas Kluges, um
zu überspielen, daß das irgendwie eine Scheißaktion war. Oder es war
keine Scheißaktion und Du erzählst irgendwas Kluges. Oder es war eine
kluge Aktion und Du erzählst irgendeine Scheiße. Ich glaube, es war das erste.

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