Saftängste
Angst vor Schimmel und Zeug: Dunkle Verpackung.
Angst vor Vitaminverlust durch Lichteinfall: Durchsichtige Verpackung.
Angst vor Kunststoffablösestoffen im Saft: Getönte Plastikverpackung.
Angst vor Flecken und Gerüchen: Keine Verpackung.
Angst vor Schimmel und Zeug: Dunkle Verpackung.
Angst vor Vitaminverlust durch Lichteinfall: Durchsichtige Verpackung.
Angst vor Kunststoffablösestoffen im Saft: Getönte Plastikverpackung.
Angst vor Flecken und Gerüchen: Keine Verpackung.
Alle Regale Voll
Im Supermarkt, Im Handschuhfach, Im Plattenladen, Im Schuhladen, Im Getränkemarkt, Im Raiffeisenmarkt, Im Reitsportgeschäft, Im Tiernahrungshandel, Im Reifenlager, Im Waffenladen, Im Buchladen, Im Möbelgeschäft, Im Feinkostladen, Im Golffachgeschäft, Im Bio-Hofladen, In der Metzgerei, Beim Bäcker, Im PC-Shop, Im Elektronik-Markt (vor allem hier), Im Fahrradladen, In der Parfümerie, Im Sportladen, Beim Apple-Händler, Im Musikgeschäft, Im Spielwarenhandel, Im billigen Kleidungsmarkt und im exquisten Kleidungsfachgeschäft, Im Baumarkt, Im Schokoladenfachgeschäft, Im Fantasy- und Rollenspielspezialladen, Im Internet … Daheim
Kein Wunder, dass wir hierzulande soviele Sorgen haben und ach so ungern teilen mit den anderen
Darum zum Beispiel mal hier gucken: Online-Petition an den deutschen Bundestag: Bedingungsloses Grundeinkommen auf http://www.unternimm-die-zukunft.de/
Fürchterliche Angst.
begleitet jeden, der denkt -
überall und jetzt.
Armut, Blödheit, Cellulite, Depression, Einflugschneisen, Frikassee, Gewölle, Heuchelei, Ignoranz, Jodeln, Kapitalismus, Lippenbekenntnissen, Märkten, Nasenkorrekturen, Outsourcing, Politik, Qualen, Risiken, Seuchen, Tamponwerbung, UFOs, Verlusten, Wehmut, Xerox-Leasing-Verträgen, Ypsilantikopiemutanten, Zoobesuchen.
ach so:
Ärger, Ölkrisen, Übermenschen
Neulich, noch im Winter vor dem Hochhaus einer grossen deutschen Bank in Frankfurt am Main:
Ein Eingang des Hochhauses war großflächig mit rot-weißen Banderolen abgesperrt. An jeder Seite der Absperrung war ein selbstgemacht laserausgedruckter Hinweis: “Einbruchgefahr” – da war ich schon überrascht. Dachte, die machen heute alles digital und online so ohne richtiges Geld? Oder waren gar die Börsenkurse gemeint?
“Einbruchgefahr” dieses Wort stand jetzt für mehrere Stunden ganz oben auf meiner Gedankenspielliste.
Fantasien von unermesslichem Reichtum der, wenn auch geklaut, einem mir fremden aber doch durchweg sympathischen Gaunertam in der Art von “Oceans 11″ ein luxuriöses und – natürlich – gutartiges Leben ermöglicht – bis hin zu Börsenchrash-Kurseinbruchs-Szenarien, die die eh schon marode Weltwirtschaft gänzlich zum Einknicken bringen… Eine Warnung in ganz großem Stil? Prophetisch gar? Oder meinten die netten Menschen im noblen Gehäuse, in Sorge um freundliche Fußgänger wie mich, nur: “Vorsicht, die Gehwegplatten hier vor unsrem edlen Getürme sind nicht mehr stabil, so Ihr nun hier herüberwandelt, werdet Ihr in unseren fantastisch grossen Hochhauskellern fallen und landen und finden, all was wir da gehortet haben: Schätze in Gold und Edelstein, Bargeld und lustige Autos, schöne Frauen und dicke Männer, die Getränke servieren – nun nimm mit was Du tragen kannst, Du einfacher aber eingebrochener Mensch… ”
Ein klein wenig enttäuscht war ich aber schon, als ich einige Stunden später nochmal vorbeikam und nun genauer las: “Eisbruchgefahr”.
Hallo Du,
mein Leben ist ein einziger Fuck. Ich bin noch keine dreißig und innerlich schon so tot, wie ein überfahrenes Opossum. Mein Leben besteht aus rumhängen, ficken und Drogen nehmen und ich denke jeden Tag aufs Neue, dass genau das meine Bestimmung ist.
Es stimmt.
Fast jede Nacht liege ich im Bett und frage mich, ob es weh tut, wenn auf einmal alles aufhört. Erst auf Standby und dann merken, wie sich der Rechner ganz ausschaltet. Es wär die gerechte Strafe für ein Leben voller Faulheit, Ignoranz und Selbstzerstörung.
Du hast dich lange nicht mehr blicken lassen bei mir, die letzte Einladung kam vor ein paar Monaten, wo ich wirklich viel Zeit mit dir verbracht hab. Aber wir haben uns anscheinend auseinandergelebt, kennen uns nur noch vom Hörensagen, durch ein paar Erinnerungen, die immer blasser und belangloser werden. Ich weiß auch nicht, ob wir uns je wirklich wiedersehen werden, weil in deiner Nähe unerkannt bleiben will, durch die Straßen husche, mit der Hoffnung, dass Du mich nicht erkennst und mir dann schlecht ins Gewissen redest.
Ich hab dich immer gemocht, gebraucht und genossen. Doch die Zeiten ändern sich. Ich warte hier, bis Du mich nur noch von oben betrachten wirst.
P.
Idch dnabe Scdnubven. Dnichdigen Schnubven. Sovniede Dsnogrgen unddannhauchnoch dsnubvehn. Undh Knobvfeeh hundh Alschmedsehm dsindh auchnmoch imh Ahndmarch.
Wiesolldnasdnur weider dnehhenm?
Nur damit ihr es wisst, so sieht mein 2009 aus!!!
Seit vielen Wochen hält mich die Angst vor dem Jahre 2009 ächzend zwischen ihren gichtigen Griffeln.
Meine Augen kehren sich nach innen und rollen langsam meine zugeschnürte Kehle hinunter und machen in den leeren Augenhöhlen folgenden aufsteigenden Alben und Nachtschrecken Platz:
Hinten in einer kleinen unscheinbaren Kammer meiner Seele lebt ein giftgrüner feuchter Angor des untrüglichen nahenden Todes. Er zeigt unablässig mit überlangen arthritisch verbogenen Fingern und einem gurgelnden erstickenden Kichern in einem Kalender auf den Tag, an dem ich sterben werde. Und immer wenn ich das Datum fast erblicke, stopft er sich den Kalender genüsslich in sein sabberndes stickendes Maul und verschlingt ihn schmatzend. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, denkt er sich Legionen von widerlichen, vulgären Prophezeiungen aus, die er mir mehrstimmig in mein Innenohr fistelt.
Sein Freund, ein schwammiger quittengelber Alb, der unverdauten alltäglichen Zumutungen, tanzt übermütige durch bodenlosen Schlick aus Achtlosigkeiten, Unverschämtheiten, Aufdringlichkeiten, Rücksichtslosigkeiten und Geschmacklosigkeiten. Mit großrahmigen Gesten verschlickert er seine Unsäglichkeiten und Grobheiten auf meiner ganzen Seele, so dass mir auf ewig Übel wird. Neu hinzukommende Anmaßungen und Gewissenlosigkeit werden mir stundenlang unter die Nase gerieben.
Ein gediegener Schreck der sozialen und emotionalen Verrottung, der gerne die Gestallt meiner Religionslehrerin, Frau Kühn, annimmt, zeigt mir mit unangebrachter Überschwänglichkeit 7049 Arten der existentiellsten Verrohrung, Verwüstung und Verwahrlosung, die meine Fußnägel augenblicklich zwei Zentimeter wachsen lässt und ihnen gleichfalls, die unschöne Farbe und den Geruch der anstehender Verwesung alter Männer verleiht. Angelegentlich frönt er seinem Laster der Gestalltswandlung auch in dem er mir in Gestalt honorige Repräsentanten aus Politik, Finanzwelt oder Wirtschaftsleben erscheint. Er suhlt sich in wonniger Freude durch ihre blasigen Abgesänge, frevelhaften Lügen und geschmacklosen Versprechungen, die er mir mit einer Magensonde einverleibt um meinen Brechreiz zu umgehen, immer und immer wieder beteuernd, dass dies die liebliche Muttermilch der Zivilisation sei.
Oft wird der Schreck der Verrottung von einem pansenförmiger Blättermageninhalt verstäubender Dämon des Hungers abgelöst. Er lässt mich darben und an den Bäuchen der in 2009 an Unterernährung versterbenden Zweijährigen riechen- alles keine Aktieninhaber kichert er. Neben bei, zeigt er in den Himmel und freut sich an dem satten Blau.
Dann gibt es noch einen feuerroten, grüne Galle spuckender Pavor des totalen Versagens, der mit unerbitterlicher Strenge meine Ich ergreift und sich anschickt mich in seiner nach Fäulnis und Vergeblichkeit stinkender Faust, wie in einem Schraubstock zu zermalmen. Während ich zu zerbersten drohe schreit er mir eine Frage ins Gesicht: „Und Du, was willst Du darstellen?“ Meine fehelende Untauglichkeit als Mensch malt er mit den aller anschaulichsten Farben auf ein Transparent, dass er dann dem Museum für bildende Kunst in Leipzig verkauft und ich höre mich noch seufzend, nicht mal New York.
An Tagen mit hohem Luftdruck treibt es eine schweflewolken furzende freudlose Beklemmung an die Oberfläche meines Bewusstseins. Sie ist verantwortlich für Übersichtsverluste, Demenz, Persönlichkeitsverlust und die Wahlergebnisse in 2009. Sie freut sich über meinem grenzenlosen Orientierungsverluste und über meine verzweifelten Bemühungen mich an meiner Katze festzuhalten, während sich die kapitalistisch organisierte Weltwirtschaft in Form einer klebrigen Suspension aus Derivaten und Optionen in ein kleines nach Sprotte riechendes Loch verkriecht. Bis die Zeiten besser werden….
Nicht selten besucht mich in meinem Träumen ein rachitischer, lungenödemischer Nachtmahr der Vernachlässigung und des blanken Schreckens. Er läuft durch die Welt und verkündet auf jedem Flecken Gegenständlichkeit, sofern dieser so groß wie ein einzelnes Blatt Toilettenpapier ist, dass das Leben eine nichtswürdige fragwürdige und unerfreuliche Zumutung ist und dass es gerade in diesem Jahr besonders unerfreulich wird.
Während ich hier sitze und mich verzweifel um Vollständigkeit bemühe, küsst mich ein tuberkulöser aber bärenstarker Wechselbalg, der persönlichen Nichtswürdigkeit, unablässig auf den Mund und schreit bei jedem erzwungenen Kuss mit überschwänglicher Selbstzufriedenheit: „Der Adler ist gelandet!“
So wird mein 2009
tote töne erbärmlich schwerlich der tastatur entlocken,
übergossen mit lethargie, erschossen vom dauerschlaf,
pechmarie.
auf messes schneide, oftmals daneben,
vor oder hinter dem augenblick, das leben schleifen lassen
hin zur bewusstlosigkeit des eigenen ich.