Nebelbänke I

penelope araña de la selva

Sie öffnete die Verandatür. Die Hitze versetzte ihr unmittelbar eine
trockene Backpfeife und kroch an ihr vorbei in ihr Arbeitszimmer.
Ein leichter Schauer schüttelte sie kurz, spitze Sonnenfinger piekten in
ihre blasse Haut. Um die Gänsehaut zu vertreiben, trat sie hinaus auf die
Terrasse und bedauerte dies im gleichen Augenblick. Samstägliche
Geschäftigkeit in den Nachbarsgärten ließ sie erneut erschauern.

Was war das bloß, dachte sie, für eine Abneigung gegen alles Gesunde und Bodenständige, gegen ausgelassenes Kindergekreische, Hundegebell, Geschirrgeklapper, gegen den Geruch frisch gemähten Grases, das sich mit dem Viertacktergemische des Rasenmähers vermengte. Wann hatte das nur angefangen, dieser regelrechte Ekel vor menschlicher Nähe.

Sie seufzte und schaute in den Himmel hinauf, keine noch so winzige Wolke
kein noch so unscheinbarer Windhauch, nur strahlendes Himmelblau, eine
riesige gleißende Sonne und die erdrückende Hitze. Kaiserwetter hatte man
früher gesagt, dachte sie, heute denkt man ehr an Klimakatastrophe.
Ihr Nachbar von links hatte sie entdeckt, ruckartig drehte sie sich um und
trat zurück ins Haus. Mit einem kleinen Schnappen schloss der Riegel die
Tür und die Außenwelt ab.

Ihr Arbeitszimmer war noch immer kühl. Sie hatte den Bungalow gekauft, weil
er mit seinen dicken Wänden und den niedrigen Fenstern wie ein panic room
oder ein Bunker wirkte. Kein Geräusch drang hinein oder hinaus.
Sie atmete langsam und tief durch, dann streckte sie den Rücken durch, hob
das Kinn einige Millimeter an und genoss die Spannung, die automatisch
durch ihren Körper floss. Mit einer energischen Bewegung strich sie sich
die Harre zurück, so als könne sie gleichzeitig alle dunklen Gedanken
hinwegfegen. Sie rief sich zur Ordnung, gerade jetzt musste sie sich
zusammenreißen. Sie musste sich sammeln, und einen Plan fassen.
Wieder begann das Mobile zu klingeln. DJ Ötzi trällerte aufdringlich und
albern „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ in die dumpfe Stille.

Das Blut wich aus Ihrem Kopf und sie dachte einen Augenblick, es würde
ihren Körper verlassen. Aber sie hatte ja kein Loch im Kopf, wie der
Leichnam ihres Vaters, der vor ihr auf dem Teppich in einem kleinen See aus
Blut lag. Das Klingeln drang aus dem Inneren seines Sakkos und schien nie
mehr aufhören zu wollen.

Fortsetzung folgt…

Was war geschehen? Was sucht die Leiche Ihres Vaters in ihrem Wohnzimmer? Hat sie ihn erschossen? Wie geht es weiter? Wer hat eine Idee?

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