Aug 15 2010

nachtschicht

notstrom

noch mehr geht nicht.entweder ich trinke weiter oder ich gehe schlafen…wenn es nach mir ginge dann würde ich weiter trinken bis das fass leer ist…viel ist nicht mehr drin, aber es ist schon spät und morgen wartet der tag auf mich. der tag….neue verpflichtungen.pläne..termine…
meine facebookfreunde schlafen schon. die müdigkeit zerrt an meinen augen aber ich will nicht schlafen…ich will noch ein echo dieses tages….hello…anybody out there….ich gebe auf…ist ja nicht in echtzeit. bin ja nur ich mit meinem compter und meinem kühlschrank…eins geht noch, dann ist schluss,dann mach ich die augen zu und ergebe mich in das was jeder macht…ich bilde keine ausnahme. und dabei hat alles so schön angefangen…

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Jun 23 2010

Nebelbänke II

raissale

Sie hörte ihm nicht richtig zu, ihr Widerwille wuchs mit jedem seiner Worte, seine Sätze blähten sich wie in der Sonne verderbender Pansen.

„Du wirst schon sehen, dass ich Recht habe….“, drang es aus dem Hörer.

Als sie jünger war, hatten seine blasierten und selbstgefälligen Belehrungen sie belustigt. Er war das hechelnde Klischee eines Spießers, ein galliges Konzentrat kleinbürgerlicher Ängste, das sich, wie ein giftiger Springteufel, in ihrem Leben häuslich eingerichtet hatte.

„Ich bin meinem Vater heute überaus dankbar, dass er mir….“

Wie unpassend von ihm, nun seinen Vater zu bemühen, dachte sie, hatte er doch bei Zeiten den Geruch seines proletarischen Elternhauses abgelegt. Er hatte geradezu versessen daran gearbeitet, sich soweit wie möglich von seinem Unterschichtsmilieu zu entfernen.

Sie sah hinter seiner artifiziellen zusammengestümperten Fassade, nur einen jämmerlichen hypochondrischen Egoisten, der mit 40 Jahren nicht in der Lage war sich selbstständig vernünftig anzuziehen. Kelsterbacher Charme nannte sie seinen fehlenden Kleidungsstil.

„Mit Deiner Einstellung wirst Du nicht weit kommen, an Verlierer verschwendet man keine Energie…“

Sie knallte den Hörer wütend auf. Das Telefon klingelte nach wenigen Sekunden erneut, er war scheinbar noch nicht zum Höhepunkt gekommen. Sie brüllte in den Hörer „Du bist ein kleiner jämmerlicher Wichser“ und riss die Telefonschnur aus der Wand.

Sie warf sich auf ihr Bett und zählte die Atemzüge bis der Ekel abklang und eine kleine scharlachfarbene Genugtuung an der Oberfläche ihrer Seele erschien. In diesem Moment vor dreiundzwanzig Jahren war ihr schlagartig klar geworden, dass sie ohne ihn besser klar kommen würde.

DJ Ötzi schreckte sie erneut aus Ihren Gedanken auf, unerbittlich und bizarr tanzte der Klingelton zwischen ihren Gedanken und den leblosen Körper ihres Vaters auf und ab.

Nun lag er hier auf dem Nussbaumparkett in einer blasigen Pfütze langsam trocknenden Blutes und seinem toten Körper entfuhren, wie zu Lebzeiten feuchte Pfürze. „Unangenehme Angewohnheiten können einen scheinbar überdauern“, dachte sie angewidert, und wählte die Nummer der Polizei.

von Raissa Lechnevkova, Krasnojarsk 21.06.10, übersetzt von R.C. Kandorowitsch

Was hatte sich zwische Ihr und ihrem Vater zugetragen? Wird die Polizei sie verdächtigen? Und wer rief immer auf dem Handy Ihres toten Vaters an?

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Mai 1 2010

Nebelbänke I

penelope araña de la selva

Sie öffnete die Verandatür. Die Hitze versetzte ihr unmittelbar eine
trockene Backpfeife und kroch an ihr vorbei in ihr Arbeitszimmer.
Ein leichter Schauer schüttelte sie kurz, spitze Sonnenfinger piekten in
ihre blasse Haut. Um die Gänsehaut zu vertreiben, trat sie hinaus auf die
Terrasse und bedauerte dies im gleichen Augenblick. Samstägliche
Geschäftigkeit in den Nachbarsgärten ließ sie erneut erschauern.

Was war das bloß, dachte sie, für eine Abneigung gegen alles Gesunde und Bodenständige, gegen ausgelassenes Kindergekreische, Hundegebell, Geschirrgeklapper, gegen den Geruch frisch gemähten Grases, das sich mit dem Viertacktergemische des Rasenmähers vermengte. Wann hatte das nur angefangen, dieser regelrechte Ekel vor menschlicher Nähe.

Sie seufzte und schaute in den Himmel hinauf, keine noch so winzige Wolke
kein noch so unscheinbarer Windhauch, nur strahlendes Himmelblau, eine
riesige gleißende Sonne und die erdrückende Hitze. Kaiserwetter hatte man
früher gesagt, dachte sie, heute denkt man ehr an Klimakatastrophe.
Ihr Nachbar von links hatte sie entdeckt, ruckartig drehte sie sich um und
trat zurück ins Haus. Mit einem kleinen Schnappen schloss der Riegel die
Tür und die Außenwelt ab.

Ihr Arbeitszimmer war noch immer kühl. Sie hatte den Bungalow gekauft, weil
er mit seinen dicken Wänden und den niedrigen Fenstern wie ein panic room
oder ein Bunker wirkte. Kein Geräusch drang hinein oder hinaus.
Sie atmete langsam und tief durch, dann streckte sie den Rücken durch, hob
das Kinn einige Millimeter an und genoss die Spannung, die automatisch
durch ihren Körper floss. Mit einer energischen Bewegung strich sie sich
die Harre zurück, so als könne sie gleichzeitig alle dunklen Gedanken
hinwegfegen. Sie rief sich zur Ordnung, gerade jetzt musste sie sich
zusammenreißen. Sie musste sich sammeln, und einen Plan fassen.
Wieder begann das Mobile zu klingeln. DJ Ötzi trällerte aufdringlich und
albern „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ in die dumpfe Stille.

Das Blut wich aus Ihrem Kopf und sie dachte einen Augenblick, es würde
ihren Körper verlassen. Aber sie hatte ja kein Loch im Kopf, wie der
Leichnam ihres Vaters, der vor ihr auf dem Teppich in einem kleinen See aus
Blut lag. Das Klingeln drang aus dem Inneren seines Sakkos und schien nie
mehr aufhören zu wollen.

Fortsetzung folgt…

Was war geschehen? Was sucht die Leiche Ihres Vaters in ihrem Wohnzimmer? Hat sie ihn erschossen? Wie geht es weiter? Wer hat eine Idee?

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Apr 8 2010

Haiku für den Frühling

hanns

Verdammter Frühling,

schon zu Heiss, alle schwitzen,

sind unzufrieden.

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Mrz 19 2010

Ende

penelope araña de la selva

Alles strebt dem Ende zu
Morgenrot und Frühlingswind
Wiegen uns im lauen Glauben
an die Siege die noch kommen

Doch eines nur ist uns Gewiss
von Grabesruh und Tiefseeschlaf
trennt uns nur ein Flügelschlag
Alles strebt dem Ende zu

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Feb 10 2010

Ich hab’ übrigens letzte Nacht von Dir geträumt

arzt

Ich träume sehr, sehr, selten in letzter Zeit, muß zumindest viele
Monate her sein. Also will ich Dir den Traum erzählen.

Wir. Draußen. Dunkel oder halb. Trinken. Bier. Musik. Straßenfeier?
Alles sehr lebhaft, irgendjemand pöbelt in 27m Entfernung rum oder
sagt irgendwas unfreundliches. Du gehst hin und ich mach mir Sorgen.
Ihr schlagt Euch. Du und zwei andere. Du teilst aus, steckst aber auch
ein. Ich hab Angst, mit eingreifen zu müssen, ich hasse sowas. Aber
da führen Dich schon zwei in meine Richtung. Keine Schläge mehr,
Du hast bestimmt ausgeteilt, siehst aber auch ziemlich lädiert aus.
Schnitt. Wir sitzen irgendwo drinnen. Kneipebar. Grün. Gemütlich.
Du siehst unverändert lädiert aus. Du erzählst irgendwas Kluges, um
zu überspielen, daß das irgendwie eine Scheißaktion war. Oder es war
keine Scheißaktion und Du erzählst irgendwas Kluges. Oder es war eine
kluge Aktion und Du erzählst irgendeine Scheiße. Ich glaube, es war das erste.

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Feb 3 2010

Nass, kalt, stinkig

OPTI_MIST

Der Schnee nervt. In der Stadt noch mehr. Viele Hundebesitzer räumen nämlich die üppigen Frolic-Würste ihrer vierbeinigen Gefährten nicht mehr weg.
Weil … schneit ja eh drauf. Und als Zeuge der schändlichen Tat weiss mans ja ungefähr, wo und so und macht auf dem Rückweg geflissentlich einen weiten Bogen um die Tretminen. Das nicht weiss der gehetzt heimwärts Strebende, der sich durch Wind und Schnee zum warmen Ofen kämpft und nichtsahnend ins Malheur tritt.
Can you imagine … hundsgemein, oder?

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Jan 10 2010

Schneefallwarnung aus dem Raum Frankfurt

hanns

Achtung, Vorsicht, Winterzeit,
es ist Januar und es schneit.
Totale Panik macht sich breit.

Die Regierung rät zum Hamsterkauf,
Gerutscht, Geunfallt wird zuhauf.

Auch Flugzeughäfen und die Bahn,
wer wundert sich, sie liegen lahm.

Was ist das für´n schlimmer Schreck,
die Erderwärmung ist sie weg?

Jetzt wo wir´s mal wärmer haben wollen,
schmelzen an den Polen nicht mehr die Schollen?

Das ist Betrug und sehr gemein,
kann die Natur nicht zuverläss´ger sein?

Nun denn, Hauptsache Panik, Angst und Schrecken,
nur so kann man uns für die Werbeblöck´ noch wecken.

Schulausfall, Hungersangst und Zittern,
das muss man doch gleich mehrfach Twittern.

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Dez 3 2009

Einige Dinge, die ich schon lange über mein Fitness Center sagen wollte

penelope araña de la selva

Sport macht froh
“Sport macht froh”, heißt es doch. In meinem Fitnesscnter schwitzen jedoch nur Mißmut, Ingrimm und Verdrossenheit mit ihrer kleinen Schwester Frustration. Und wer weiß schon, wie die aussehen wenn sie froh und glücklich sind.

Hühnerfrau und Habichtmann
Die kurze Frau mit dem dunklen Oberlippenflaum macht einen bösen Mund während ihre drallen Schenkelchen heftig an den Gewichten zerren. Ich ertappe mich dabei, wie auf ihre Beine starre. Die kleinen fetten Schenkelchen sind fulminant rot, so als wären sie gerade frisch überbrüht.
Ich möchte sie beglückwünschen für ihre sagenhaft epillierten Beine, aber ich habe Angst vor ihrem bösen Mund und der Möglichkeit dass sie gackernd davon stöbe.
Der kleine Habichtmann folgt ihr von Gerät zu Gerät und betrachtet sich etwas zu auffällig und viel zu selbstgefällig im Spiegel. Zwischen ihnen steht seine Chapeau tragende Erwartung und hält ihr seine Offerten auf einem blitzenden Tablett entgegen. Und ich bin von Mal zu Mal gespannter.

Der Handschlag
Zwei Muskelmänner schreiten mit bleierner Schwere verhalten auf einander zu. Im Raum steigt die Spannung. ”Gehen sie sich an den Kragen?”,  ”Bestimmt, doch zuerst mit Worten oder gleich mit Taten?”, ” Wir warten!”.
Doch dann werden wir Zeugen eines unglaublichen Handschlags. Eines Handschlages, den man erwarten könnte von zwei Antarktis-Explorateuren, die sich zunächst im schwersten Schneesturm verirrten und dann sich und einige kurze Gliedmaßen dort draußen in der Eishölle verloren. Doch nun ganz wieder erwarten errettet wurden und nach langer schmerzvoller Sorge, den anderen unvermutet und halbwegs unversehrt an Bord eines Walfischfängers wieder zu sehen. Zum ersten mal nach Jahren des Verschollenseins, der Entbehrungen und der Verzweifelung beginnt ihr Herz wieder zu leuchten und sie legen ihre ganze Sorge, Rührung, Erleichterung und Freundschaft  in diesen einen wahrlich mannhaften Handschlag.
So war dieser Handschlag, von den zwei Muskelmännern, alles vor meinen Augen in Groß-Gerau im  Fitnesscenter. Ich schwöre es!

Vorurteile
Dann gibt es da noch einen kleinen Mann, der so aussieht, wie meine Vorurteile von kleinen abstoßenden Männern, die, wären sie nicht so impertinent, auf eine besonders traurige Weise bedauernswert wären. Das sagen jedenfalls meine Vorurteile, die ich in besagtem Fitnesscenter scheinbar auch sehr gepflegt trainieren kann, -”ausdefinieren” sagen wir Sportler!

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Nov 22 2009

hellnichtwirdnicht

penelope araña de la selva

nicht hell nicht wird der Tag
nur dunkel bleibts
nicht froh nicht wird mein Herz
nur traurig bleibts

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