Nov 18 2010

Olli sorgt besser als Sonja

Jack

Ich wette, dass es so nicht weitergeht. So nicht!
Und dann?
Meine Güte.
Und selbst wenn ich nicht drauf wette. Weiter geht’s davon auch nicht. Nicht so.
Und jetzt????

So kann’s nicht weitergehen, sagt Sonja. Mit dir, meine ich.
Das sagt sie immer, wenn’s mir so geht. Wenn ich nicht weiter und überhaupt rein gar nichts mehr weiß.
Red doch ma wie andere Menschen, sagt sie.
Wie andere Menschen, äff ich. Wie denn, was meinst’n damit?
Na so normal halt, sagt Sonja. Und ein klitzekleines Lächeln segelt um ihren Mundwinkel.
Das brennt mich nieder, dieses Lächeln, legt mich SOFORT in Asche.
Du verstehst mich eben nicht! Und: Wie soll das denn bitte mit UNS weitergehen, wenn wir uns immer nicht verstehen??
Sie sagt: Ich sag jetzt besser nix mehr.
Aber dann sagt sie doch noch was: Leg dich doch einfach ins Bett. Und schlaf drüber. Hm?
Toll. Danke auch! Wie soll man denn schlafen mit sonem Sorgenbergklumpen im Bauch?

Ich ruf jetzt den Olli an. Der versteht mich. Der versteht wie’s einem geht, wenns nicht weitergeht und der eigenen Freundin ist es egal. EGAL!
Hallihallo, Olli! Der Olli, hollihallor, der hat sofort ein Ohr. Auf den ist Verlass, weil dem auch immer grade die Felle davonschwimmen. Echt ein Phänomen. Mit wem der’s auch aufnimmt, im Schlechtgehen bleibt er Sieger.
Na Olli, wie geht’s n so…. hm… achja. Dir auch scheiße? Mann, da bin ich aber froh! Na ja, nichts für ungut – erzähl doch mal …
….
zz zzz zz zz zz zz z
zzzz zzzzzzZZZZZ

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Okt 28 2010

ausgerastet….

notstrom

…ich mache heute früher schluss. seit ein paar stunden liegt ein druck auf meinem kopf, so ein leicht nerviges, dumpfes pochen. ich kann mich schwer konzentrieren und würde am liebsten schlafen. leider sitze ich am steuer eines autos und fahre damit nach hause. vorher noch einkaufen und dann ein wenig hinlegen. ich gehe immer in den biosupermarkt um die ecke. er liegt in einem kinderreichen bezirk. ich finde einen parkplatz und gehe hinein. was wollte ich eigentlich kaufen?
es sind viel mehr leute da als sonst, ich bin ja auch früher hier als sonst. mir fällt durch das pochen im hirn wieder ein, was ich brauche und setze ich mich in bewegung. mir wird heiß, denn ich habe meinen schal noch um. es ist eng, viele eltern mit kindern sind unterwegs. zwei mütter mit kinderwagen unterhalten sich vor mir,ich komme nicht ans kühlregal. ich umgehe das gespräch links herum und werde von einem einkaufswagen frontal gestoppt. überall leute und immer genau da wo ich hin will. sie stehen mit einer ruhe im weg rum und meditieren die regale ab…. ich schnappe mir durch eine lücke das milchpäckchen. beim kaffee gibts keine probleme. gemüse, zack in die tüte. nur beim brot stehe ich wieder im stau. vor mir gibt es gibt probleme mit den zutaten…ob es mit sauerteig oder mit backferment sei und wieviel prozent dinkel mit drin wären…dann noch bitte einen latte macciato zum mitnehmen. ohne coffein und bitte mit sojamilch………….ich will einfach nur ein brot, bitte…
endlich stehe ich in der schlange an der kasse.. ich stehe in der vorhölle. den mitgebrachten kindern wird es hier besonders langweilig. ich frage mich wie die leute an der kasse das jeden tag ertragen können, da fällt vor mir ein kind auf den boden und schreit was das zeug hält…. die eltern versuchen es zu beruhigen und es ist nicht das einzige kind im nahen umkreis welches mir das gehör zermürbt. in meiner kassenschlange dauert es besonders lange, da sitzt jemand zum ersten mal an der kasse. es gibt probleme mit dem kartenlesegerät….das kind kreischt noch immer und ich kann plötzlich nicht mehr…. ich gehe nach vorne, beuge mich zu dem kind runter und schreie …HALT DIE FRESSE……..stille im supermarkt, sogar die kassen haben aufgehört zu piepen.
ich erwache aus meinem traum als mich mein hintermann antippt. es geht weiter, das problem mit dem kartenleser ist beseitigt.

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Sep 8 2010

von Harpyien und Gollums

penelope araña de la selva

Irene, die alte Harpyie, sitzt auf ihrem kahlen Galgenbaum
und würgt an meiner großen Unverforenheit, der Kündigung.
Dann spricht sie zu ihrem hörigen Pack der hässlichsten Gollums
die das Sonnenlicht je erblickt hat:

„Nehmet der Unperson das Löffelchen und das Tässchen weg
Sie soll nicht mehr sitzen dürfen auf ihrem Schemelchen
Atmen soll sie die übelsten Gestänke”

“Der mit ihr artig spricht, dem soll widerwärtiges widerfahren.
Der der sie beleidigt hingegen, der darf aus meinem Schälchen naschen,
Und am nächsten Freitag an meiner Seite sitzen”

“Bringt sie zum weinen, weinen soll sie! “,
Kreischte Irene, die Harpyie ein letztes Mal,
Dann fuhr sie mit einem tosenden Knall und
einer riesigen Schwefelwolke in die Tiefe hinab.

To be continued

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Sep 8 2010

bodenkies

notstrom

.. jemand hat gerade die ganze scheisse vom bodenkies aufgerührt. nichts zu sehen. wohin ich mich wende das gleiche bild. aus meiner erinnerung weiß ich, daß da vorne mal was zu sehen war. ich konnte zwar nie weiter als bis dorthin, es gab aber wenigstens etwas zu sehen. etwas bewegte sich. das bereuhigt mich. ich warte also bis sich der ganze mist gesetzt hat und ich wieder an meiner scheibe entlang schwimmen kann…

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Aug 15 2010

nachtschicht

notstrom

noch mehr geht nicht.entweder ich trinke weiter oder ich gehe schlafen…wenn es nach mir ginge dann würde ich weiter trinken bis das fass leer ist…viel ist nicht mehr drin, aber es ist schon spät und morgen wartet der tag auf mich. der tag….neue verpflichtungen.pläne..termine…
meine facebookfreunde schlafen schon. die müdigkeit zerrt an meinen augen aber ich will nicht schlafen…ich will noch ein echo dieses tages….hello…anybody out there….ich gebe auf…ist ja nicht in echtzeit. bin ja nur ich mit meinem compter und meinem kühlschrank…eins geht noch, dann ist schluss,dann mach ich die augen zu und ergebe mich in das was jeder macht…ich bilde keine ausnahme. und dabei hat alles so schön angefangen…

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Jun 23 2010

Nebelbänke II

raissale

Sie hörte ihm nicht richtig zu, ihr Widerwille wuchs mit jedem seiner Worte, seine Sätze blähten sich wie in der Sonne verderbender Pansen.

„Du wirst schon sehen, dass ich Recht habe….“, drang es aus dem Hörer.

Als sie jünger war, hatten seine blasierten und selbstgefälligen Belehrungen sie belustigt. Er war das hechelnde Klischee eines Spießers, ein galliges Konzentrat kleinbürgerlicher Ängste, das sich, wie ein giftiger Springteufel, in ihrem Leben häuslich eingerichtet hatte.

„Ich bin meinem Vater heute überaus dankbar, dass er mir….“

Wie unpassend von ihm, nun seinen Vater zu bemühen, dachte sie, hatte er doch bei Zeiten den Geruch seines proletarischen Elternhauses abgelegt. Er hatte geradezu versessen daran gearbeitet, sich soweit wie möglich von seinem Unterschichtsmilieu zu entfernen.

Sie sah hinter seiner artifiziellen zusammengestümperten Fassade, nur einen jämmerlichen hypochondrischen Egoisten, der mit 40 Jahren nicht in der Lage war sich selbstständig vernünftig anzuziehen. Kelsterbacher Charme nannte sie seinen fehlenden Kleidungsstil.

„Mit Deiner Einstellung wirst Du nicht weit kommen, an Verlierer verschwendet man keine Energie…“

Sie knallte den Hörer wütend auf. Das Telefon klingelte nach wenigen Sekunden erneut, er war scheinbar noch nicht zum Höhepunkt gekommen. Sie brüllte in den Hörer „Du bist ein kleiner jämmerlicher Wichser“ und riss die Telefonschnur aus der Wand.

Sie warf sich auf ihr Bett und zählte die Atemzüge bis der Ekel abklang und eine kleine scharlachfarbene Genugtuung an der Oberfläche ihrer Seele erschien. In diesem Moment vor dreiundzwanzig Jahren war ihr schlagartig klar geworden, dass sie ohne ihn besser klar kommen würde.

DJ Ötzi schreckte sie erneut aus Ihren Gedanken auf, unerbittlich und bizarr tanzte der Klingelton zwischen ihren Gedanken und den leblosen Körper ihres Vaters auf und ab.

Nun lag er hier auf dem Nussbaumparkett in einer blasigen Pfütze langsam trocknenden Blutes und seinem toten Körper entfuhren, wie zu Lebzeiten feuchte Pfürze. „Unangenehme Angewohnheiten können einen scheinbar überdauern“, dachte sie angewidert, und wählte die Nummer der Polizei.

von Raissa Lechnevkova, Krasnojarsk 21.06.10, übersetzt von R.C. Kandorowitsch

Was hatte sich zwische Ihr und ihrem Vater zugetragen? Wird die Polizei sie verdächtigen? Und wer rief immer auf dem Handy Ihres toten Vaters an?

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Mai 1 2010

Nebelbänke I

penelope araña de la selva

Sie öffnete die Verandatür. Die Hitze versetzte ihr unmittelbar eine
trockene Backpfeife und kroch an ihr vorbei in ihr Arbeitszimmer.
Ein leichter Schauer schüttelte sie kurz, spitze Sonnenfinger piekten in
ihre blasse Haut. Um die Gänsehaut zu vertreiben, trat sie hinaus auf die
Terrasse und bedauerte dies im gleichen Augenblick. Samstägliche
Geschäftigkeit in den Nachbarsgärten ließ sie erneut erschauern.

Was war das bloß, dachte sie, für eine Abneigung gegen alles Gesunde und Bodenständige, gegen ausgelassenes Kindergekreische, Hundegebell, Geschirrgeklapper, gegen den Geruch frisch gemähten Grases, das sich mit dem Viertacktergemische des Rasenmähers vermengte. Wann hatte das nur angefangen, dieser regelrechte Ekel vor menschlicher Nähe.

Sie seufzte und schaute in den Himmel hinauf, keine noch so winzige Wolke
kein noch so unscheinbarer Windhauch, nur strahlendes Himmelblau, eine
riesige gleißende Sonne und die erdrückende Hitze. Kaiserwetter hatte man
früher gesagt, dachte sie, heute denkt man ehr an Klimakatastrophe.
Ihr Nachbar von links hatte sie entdeckt, ruckartig drehte sie sich um und
trat zurück ins Haus. Mit einem kleinen Schnappen schloss der Riegel die
Tür und die Außenwelt ab.

Ihr Arbeitszimmer war noch immer kühl. Sie hatte den Bungalow gekauft, weil
er mit seinen dicken Wänden und den niedrigen Fenstern wie ein panic room
oder ein Bunker wirkte. Kein Geräusch drang hinein oder hinaus.
Sie atmete langsam und tief durch, dann streckte sie den Rücken durch, hob
das Kinn einige Millimeter an und genoss die Spannung, die automatisch
durch ihren Körper floss. Mit einer energischen Bewegung strich sie sich
die Harre zurück, so als könne sie gleichzeitig alle dunklen Gedanken
hinwegfegen. Sie rief sich zur Ordnung, gerade jetzt musste sie sich
zusammenreißen. Sie musste sich sammeln, und einen Plan fassen.
Wieder begann das Mobile zu klingeln. DJ Ötzi trällerte aufdringlich und
albern „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ in die dumpfe Stille.

Das Blut wich aus Ihrem Kopf und sie dachte einen Augenblick, es würde
ihren Körper verlassen. Aber sie hatte ja kein Loch im Kopf, wie der
Leichnam ihres Vaters, der vor ihr auf dem Teppich in einem kleinen See aus
Blut lag. Das Klingeln drang aus dem Inneren seines Sakkos und schien nie
mehr aufhören zu wollen.

Fortsetzung folgt…

Was war geschehen? Was sucht die Leiche Ihres Vaters in ihrem Wohnzimmer? Hat sie ihn erschossen? Wie geht es weiter? Wer hat eine Idee?

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Apr 8 2010

Haiku für den Frühling

hanns

Verdammter Frühling,

schon zu Heiss, alle schwitzen,

sind unzufrieden.

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Mrz 19 2010

Ende

penelope araña de la selva

Alles strebt dem Ende zu
Morgenrot und Frühlingswind
Wiegen uns im lauen Glauben
an die Siege die noch kommen

Doch eines nur ist uns Gewiss
von Grabesruh und Tiefseeschlaf
trennt uns nur ein Flügelschlag
Alles strebt dem Ende zu

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Feb 10 2010

Ich hab’ übrigens letzte Nacht von Dir geträumt

arzt

Ich träume sehr, sehr, selten in letzter Zeit, muß zumindest viele
Monate her sein. Also will ich Dir den Traum erzählen.

Wir. Draußen. Dunkel oder halb. Trinken. Bier. Musik. Straßenfeier?
Alles sehr lebhaft, irgendjemand pöbelt in 27m Entfernung rum oder
sagt irgendwas unfreundliches. Du gehst hin und ich mach mir Sorgen.
Ihr schlagt Euch. Du und zwei andere. Du teilst aus, steckst aber auch
ein. Ich hab Angst, mit eingreifen zu müssen, ich hasse sowas. Aber
da führen Dich schon zwei in meine Richtung. Keine Schläge mehr,
Du hast bestimmt ausgeteilt, siehst aber auch ziemlich lädiert aus.
Schnitt. Wir sitzen irgendwo drinnen. Kneipebar. Grün. Gemütlich.
Du siehst unverändert lädiert aus. Du erzählst irgendwas Kluges, um
zu überspielen, daß das irgendwie eine Scheißaktion war. Oder es war
keine Scheißaktion und Du erzählst irgendwas Kluges. Oder es war eine
kluge Aktion und Du erzählst irgendeine Scheiße. Ich glaube, es war das erste.

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