Feb 4 2010

Zum Sachstand I-III

penelope araña de la selva

I

Im Eifer des Gefechts, schweigend innehalten und hören wie ein Ich zerbricht,
Mit spitzer Feder gesammelte Verfehlungen in das erstarrte Magma des Himmels geritzt,
Der Gnadenstoß trifft das Gewissen mitten ins Herz und die Seele schüttelt traurig das Haupt,
Ins Gras gebissen, hört man Unbeteiligte rufen, und es schmeckt sandig und rau,
Am Ende der Fahnenstange sitze ich und frage mich: warum ich?

II

Eine kleine Barkasse teilt in schneller Fahrt die Meere,
Der letzte Matrose will über die Planke springen,
doch ihm fehlt schlicht das ausreichende Gewicht!

III

Die Binsenweisheiten haben Konjunktur und trinken in stillen Stunden,
Blümchenkaffe mit uneingeschränkter Gelassenheit!

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Jan 28 2010

Winterkalt Haiku

hanns

der winter ist da,
prickelkalt, wir leiden sehr,
in mir viel schmerzen.

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Jan 19 2010

Seelensuppe

penelope araña de la selva

Seelensuppe, Seelensuppe, Seelensuppe,
auf dem Weg zum Arbeit kocht  die Seele schon,
Schweinefüsse, Schweinerüssel und auch Ohren,
Giftig grüne Dämpfe, gallig stinkende Gestänke,
steigen friedlich auf zum Horizont,

Seelensuppe, Seelensuppe, Seelensuppe,
geschmeidig senke ich Torpedos,
in das Dunkle des Asphalts,
und sie suchen gewissenhaft und schweigend,
die Herzen meiner Feinde auf,

Seelensuppe, Seelensuppe, Seelensuppe,
doch wo bleibt das so verdiente,
jugendliche Herzensjauchzen,
wenn das Böse ganz präzise,
meine Phantasien erfüllt?

Seelensuppe

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Jan 10 2010

Schneefallwarnung aus dem Raum Frankfurt

hanns

Achtung, Vorsicht, Winterzeit,
es ist Januar und es schneit.
Totale Panik macht sich breit.

Die Regierung rät zum Hamsterkauf,
Gerutscht, Geunfallt wird zuhauf.

Auch Flugzeughäfen und die Bahn,
wer wundert sich, sie liegen lahm.

Was ist das für´n schlimmer Schreck,
die Erderwärmung ist sie weg?

Jetzt wo wir´s mal wärmer haben wollen,
schmelzen an den Polen nicht mehr die Schollen?

Das ist Betrug und sehr gemein,
kann die Natur nicht zuverläss´ger sein?

Nun denn, Hauptsache Panik, Angst und Schrecken,
nur so kann man uns für die Werbeblöck´ noch wecken.

Schulausfall, Hungersangst und Zittern,
das muss man doch gleich mehrfach Twittern.

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Dez 3 2009

Einige Dinge, die ich schon lange über mein Fitness Center sagen wollte

penelope araña de la selva

Sport macht froh
“Sport macht froh”, heißt es doch. In meinem Fitnesscnter schwitzen jedoch nur Mißmut, Ingrimm und Verdrossenheit mit ihrer kleinen Schwester Frustration. Und wer weiß schon, wie die aussehen wenn sie froh und glücklich sind.

Hühnerfrau und Habichtmann
Die kurze Frau mit dem dunklen Oberlippenflaum macht einen bösen Mund während ihre drallen Schenkelchen heftig an den Gewichten zerren. Ich ertappe mich dabei, wie auf ihre Beine starre. Die kleinen fetten Schenkelchen sind fulminant rot, so als wären sie gerade frisch überbrüht.
Ich möchte sie beglückwünschen für ihre sagenhaft epillierten Beine, aber ich habe Angst vor ihrem bösen Mund und der Möglichkeit dass sie gackernd davon stöbe.
Der kleine Habichtmann folgt ihr von Gerät zu Gerät und betrachtet sich etwas zu auffällig und viel zu selbstgefällig im Spiegel. Zwischen ihnen steht seine Chapeau tragende Erwartung und hält ihr seine Offerten auf einem blitzenden Tablett entgegen. Und ich bin von Mal zu Mal gespannter.

Der Handschlag
Zwei Muskelmänner schreiten mit bleierner Schwere verhalten auf einander zu. Im Raum steigt die Spannung. ”Gehen sie sich an den Kragen?”,  ”Bestimmt, doch zuerst mit Worten oder gleich mit Taten?”, ” Wir warten!”.
Doch dann werden wir Zeugen eines unglaublichen Handschlags. Eines Handschlages, den man erwarten könnte von zwei Antarktis-Explorateuren, die sich zunächst im schwersten Schneesturm verirrten und dann sich und einige kurze Gliedmaßen dort draußen in der Eishölle verloren. Doch nun ganz wieder erwarten errettet wurden und nach langer schmerzvoller Sorge, den anderen unvermutet und halbwegs unversehrt an Bord eines Walfischfängers wieder zu sehen. Zum ersten mal nach Jahren des Verschollenseins, der Entbehrungen und der Verzweifelung beginnt ihr Herz wieder zu leuchten und sie legen ihre ganze Sorge, Rührung, Erleichterung und Freundschaft  in diesen einen wahrlich mannhaften Handschlag.
So war dieser Handschlag, von den zwei Muskelmännern, alles vor meinen Augen in Groß-Gerau im  Fitnesscenter. Ich schwöre es!

Vorurteile
Dann gibt es da noch einen kleinen Mann, der so aussieht, wie meine Vorurteile von kleinen abstoßenden Männern, die, wären sie nicht so impertinent, auf eine besonders traurige Weise bedauernswert wären. Das sagen jedenfalls meine Vorurteile, die ich in besagtem Fitnesscenter scheinbar auch sehr gepflegt trainieren kann, -”ausdefinieren” sagen wir Sportler!

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Nov 25 2009

Salat, Salat, Salat, …

turiza

Salat, Salat, Salat,
Obst und Gemüse,
Cerealien und Milchprodukte,
Salat, Salat, Salat,

ich kann´s nicht mehr sehen.

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Nov 13 2009

Analogkäse, Digitalkäse…

Tetlef

Jetzt wo die Aufregung um den sogenannten Analogkäse verflogen ist, wird es wohl auch stiller um den damit verbundenen oft bemühten Witz über “Digitalkäse” werden  – eigentlich schade, denn ich warte seit Anfang an darauf, dass jemand noch den Witz vom französischen Blue-ray-Weichkäse macht. Na, ja dann halt nicht.

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Okt 21 2009

Roboter aus der Vergangenheit

hanns

Drei Kampfroboter, die darauf warten, die Erde und uns retten zu können

Jedesmal, wenn ich früher mit meinen Eltern in den “Massa-Markt” fahren durftemusste, hab ich sie gesehen: die großen Kampfroboter im bauschheimer Umspannwerk. Sie standen immer ganz ruhig da und schienen zu warten. Ich fand das sehr beruhigend – denn ich hab mir immer vorgestellt, dass sie bereit standen, die Erde vor ausserirdischen Angriffen zu schützen und natürlich auch die Bundesrepublik vor den kommunistischen Horden.

Heute endlich, fast zwanzig Jahre später hab ich die Dinger mal fotografiert. Die sehen immer noch so aus wie Roboter, wie Hoffnung…

Rettungsrobot 1

und der Robot Nummer 2

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Sep 2 2009

“As in heaven, as in hell” oder “Morpheus”

penelope araña de la selva

Gestern.

Gestern als ich zur Arbeit fuhr, ganz früh, da fuhr ich an den alten Rhein-Armen entlang, ich sah Störche auf einem Bein, den Kopf ins Gefieder gesteckt, kleine Karnickel rauften auf der Weide, schläfrige Pferde warteten auf ein deftiges Frühstück aus Melasse.

Der Wind war feucht und kühl, weil gerade die Feuchtigkeit aus den Wiesen aufstieg, kleine Nebelwölkchen waberten zwischen den langen Haaren der Weiden hindurch, ein paar Gänse reckten die Hälse und ruderten mit den Flügeln zur Entspannung – einfach nur so, ganz ohne Grund und ohne Befindlichkeit.

Behaglichkeit machte sich nicht in mir bemerkbar, ich war ein kleines eingeklemmtes Päckchen, dessen akkurate Verpackung an mehreren Stellen eingerissen war. Abgegriffen und angegammelt wie eine überreife Banane in der Vorderladertasche eines Kinderwagens am Montagmorgen, aber schon seit Freitag darin vergessen. Gedrückt und angebissen wieder zusammengeklappt und abgestanden.

Am Anfang.

Am Anfang war das Tier nur da, wenn ich schlafen ging. Ich schloß die Augen und das Tier saß oben an der Decke und schaute auf mich herab.

Das Tier ist nichts besonderes, es nicht schrecklich und grauenerregend, nur ein Tier an der Decke meines Schlafzimmers. Das mag niemanden interessieren. Aber es ist so.

Zu der Zeit als das Tier auftauchte, begann meine Sprachmüdigkeit, die Worte wisperten hinter der Bindehaut meines Hirns, aber die Lippen lagen schwer und müde auf einander. Viele Worte blieben unausgesprochen.

Das Reden versiegte nicht gleich vollkommen. Es wurde weniger, uneindeutiger und verirrte sich in kognitiven Alliterationen, Sammelsurien aller Möglichkeiten.

Wenn das Telefon in meinem Büro klingelte, zerbrach der stille Spiegel meiner Sprache und die wilde See brandete herauf. Griff ich nach dem Hörer, dann sprangen sie bereits alle auf einmal hilfsbereit und euphorisch auf mich zu, die geschmeidigen Redewendungen und süsslichen Höflichkeiten, die gleichgültigen Floskeln und biederen einstudierten Begütigungsphrasen.

Alle auf einmal stoben sie wild galoppierend und brünftig schnaubend aus meinem Mund, ohne Sinn und Verstand, fielen sie sich gegenseitig ins Wort und verstümmelten sich in ihrem wahnsinnigen Toben zu sinnlosen Silbenbrüchen und Wortkratern.

In diesem ungebärdeten Tosen der Worte, verlor ich irgendwann die Sprache, nicht die Fähigkeit zu sprechen, sondern das alles was Sprache mehr ist als eine Anzahl von Worten.

Das Tier.

Zu dieser Zeit, begegnete ich dem Tier auch an anderen Orten, unvermittelt, kreuzte es vor mir eine Straße, saß neben mir in der U-Bahn oder im Cafe am Nebentisch, ich versuchte es zu ignorieren, das Tier seinerseits schien mich nicht wahrzunehmen.

Das Versagen der Sprache, ihre Satzlosigkeiten, führte allmählich zum Verlust des Sprechens. Erst war es eine Art der Sprachmüdigkeit, zu viele Bilder und Worte meldeten sich gleichzeitig “zu Wort”. Die Worte strömten an mir vorbei und gleichzeitig fand ich kein einziges, dass mir über meine Lippen gefolgt wäre.

So kam zu der Wortüberdrüssigkeit auch eine Wortvergessenheit oder Verzagtheit, die Worte versagten sich mir.

Ich sah die Morpheme weit entfernt hinter einer dicken glasklaren Gletschereisschicht hastig vorbei rauschen. Das Eis ließ kein Plätschern oder Knacken an die Oberfläche dringen, der ungeheuerliche akustische Tremor wurde langsam unter einer wachsenden jahrtausendealten Eisschicht erstickt. Die Worte waren verstummt.

Das Tier sagte, sein Name sei Morpheus und zeigte mit seinen Pranken in den trostlosen Sternenhimmel. Das Schreiben folgte dem Sprechen.

In den Armen des Morpheus.

Von ihrem rechten Mundwinkel war bereist vor Stunden ein Speichelfaden herab geglitten. Dieser Speichelfaden lag auf ihrer rechten Schulter und wurde ständig mit neuem Speichel versorgt, so dass sich mittlerweile ein unangenehmer nasser Fleck auf ihrer Schulter gebildet hatte.

Sie empfand eine bestürzende Beklemmung darüber, dass sie sich nicht bewegen konnte, dass sie nur sitzen musste, auf einem harten Plastikstuhl, dessen Farbe sie nicht kannte, dessen Plastiknähte ihr aber blutige Schründe in die Seele schabten, dass sie nicht den Mund schließen konnte, dass sie nicht die Zunge, nicht die Augäpfel bewegen konnte, dass sie das Zucken der Augenlieder nicht kontrollieren konnte und darüber, dass sie all diese ihr zugefügten Gewalttätigkeiten nicht artikulieren konnte. Allein im Kopf hatte sie keinerlei Worte oder Syntax. An deren Stelle waren unwahrscheinlich heftige Gefühle und Farben getreten.

Sie saß auf ihrem grauen Plastikstuhl, wenn sie Glück hatte, konnte sie aus dem oberen Viertel des Fensters des Speisesaals hinaus blicken. Dieses Viertel unterteilte sich in ein hellgraublaues Rechteck aus Himmel und ein weiteres rotes aus einer unverputzten Backsteinmauer.

Das Tier ist tot.

Ich ziehe mir eine leichte braune Leinenjacke über den Kopf und mache eine heimliche Tür auf. Hinter der Tür liegt eine weite glühend heiße Wüste aus alten Gedanken und Gerüchen. Ich ziehe die Schuhe aus und trete in den festen heißen Sand. Mir wird ganz wunderbar zu Mute, leicht und fiebrig heiß. Spinnen und Skorpione laufen grüßend vorbei.

Vor meiner Nase auf einem Felsvorsprung züngelt eine beeindruckend große Schlange vom vergehen der Erbsünde. In einiger Entfernung stiegen die gefallenen Engel wieder hinauf in den Himmel.

In rosa Leuchtschrift steht in großen Lettern am mondlosen munter glitzernden Himmel: “Erkenntnis und sei es die eines Selbst, sei allem fürder hin gestattet.”

Die Tür hinter mir schließt sich mit einem unvermittelten Windhauch leise und die ganze dahinter liegende Welt ist verschwunden.

Auf immer und ewig.

“Gut”, denke ich und mache meine ersten stummen Wüstenschritte.

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Aug 20 2009

Jammern, aber auf – meist – hohem Niveau

hanns

Die Mode der “Complaints Choirs” gefällt mir sehr, hier einige jämmernde Beispiele:

Noch mehr Beschwerden gibt´s rund um die Welt… und auf Youtube

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