Nov 22 2009

hellnichtwirdnicht

penelope araña de la selva

nicht hell nicht wird der Tag
nur dunkel bleibts
nicht froh nicht wird mein Herz
nur traurig bleibts

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Sep 2 2009

“As in heaven, as in hell” oder “Morpheus”

penelope araña de la selva

Gestern.

Gestern als ich zur Arbeit fuhr, ganz früh, da fuhr ich an den alten Rhein-Armen entlang, ich sah Störche auf einem Bein, den Kopf ins Gefieder gesteckt, kleine Karnickel rauften auf der Weide, schläfrige Pferde warteten auf ein deftiges Frühstück aus Melasse.

Der Wind war feucht und kühl, weil gerade die Feuchtigkeit aus den Wiesen aufstieg, kleine Nebelwölkchen waberten zwischen den langen Haaren der Weiden hindurch, ein paar Gänse reckten die Hälse und ruderten mit den Flügeln zur Entspannung – einfach nur so, ganz ohne Grund und ohne Befindlichkeit.

Behaglichkeit machte sich nicht in mir bemerkbar, ich war ein kleines eingeklemmtes Päckchen, dessen akkurate Verpackung an mehreren Stellen eingerissen war. Abgegriffen und angegammelt wie eine überreife Banane in der Vorderladertasche eines Kinderwagens am Montagmorgen, aber schon seit Freitag darin vergessen. Gedrückt und angebissen wieder zusammengeklappt und abgestanden.

Am Anfang.

Am Anfang war das Tier nur da, wenn ich schlafen ging. Ich schloß die Augen und das Tier saß oben an der Decke und schaute auf mich herab.

Das Tier ist nichts besonderes, es nicht schrecklich und grauenerregend, nur ein Tier an der Decke meines Schlafzimmers. Das mag niemanden interessieren. Aber es ist so.

Zu der Zeit als das Tier auftauchte, begann meine Sprachmüdigkeit, die Worte wisperten hinter der Bindehaut meines Hirns, aber die Lippen lagen schwer und müde auf einander. Viele Worte blieben unausgesprochen.

Das Reden versiegte nicht gleich vollkommen. Es wurde weniger, uneindeutiger und verirrte sich in kognitiven Alliterationen, Sammelsurien aller Möglichkeiten.

Wenn das Telefon in meinem Büro klingelte, zerbrach der stille Spiegel meiner Sprache und die wilde See brandete herauf. Griff ich nach dem Hörer, dann sprangen sie bereits alle auf einmal hilfsbereit und euphorisch auf mich zu, die geschmeidigen Redewendungen und süsslichen Höflichkeiten, die gleichgültigen Floskeln und biederen einstudierten Begütigungsphrasen.

Alle auf einmal stoben sie wild galoppierend und brünftig schnaubend aus meinem Mund, ohne Sinn und Verstand, fielen sie sich gegenseitig ins Wort und verstümmelten sich in ihrem wahnsinnigen Toben zu sinnlosen Silbenbrüchen und Wortkratern.

In diesem ungebärdeten Tosen der Worte, verlor ich irgendwann die Sprache, nicht die Fähigkeit zu sprechen, sondern das alles was Sprache mehr ist als eine Anzahl von Worten.

Das Tier.

Zu dieser Zeit, begegnete ich dem Tier auch an anderen Orten, unvermittelt, kreuzte es vor mir eine Straße, saß neben mir in der U-Bahn oder im Cafe am Nebentisch, ich versuchte es zu ignorieren, das Tier seinerseits schien mich nicht wahrzunehmen.

Das Versagen der Sprache, ihre Satzlosigkeiten, führte allmählich zum Verlust des Sprechens. Erst war es eine Art der Sprachmüdigkeit, zu viele Bilder und Worte meldeten sich gleichzeitig “zu Wort”. Die Worte strömten an mir vorbei und gleichzeitig fand ich kein einziges, dass mir über meine Lippen gefolgt wäre.

So kam zu der Wortüberdrüssigkeit auch eine Wortvergessenheit oder Verzagtheit, die Worte versagten sich mir.

Ich sah die Morpheme weit entfernt hinter einer dicken glasklaren Gletschereisschicht hastig vorbei rauschen. Das Eis ließ kein Plätschern oder Knacken an die Oberfläche dringen, der ungeheuerliche akustische Tremor wurde langsam unter einer wachsenden jahrtausendealten Eisschicht erstickt. Die Worte waren verstummt.

Das Tier sagte, sein Name sei Morpheus und zeigte mit seinen Pranken in den trostlosen Sternenhimmel. Das Schreiben folgte dem Sprechen.

In den Armen des Morpheus.

Von ihrem rechten Mundwinkel war bereist vor Stunden ein Speichelfaden herab geglitten. Dieser Speichelfaden lag auf ihrer rechten Schulter und wurde ständig mit neuem Speichel versorgt, so dass sich mittlerweile ein unangenehmer nasser Fleck auf ihrer Schulter gebildet hatte.

Sie empfand eine bestürzende Beklemmung darüber, dass sie sich nicht bewegen konnte, dass sie nur sitzen musste, auf einem harten Plastikstuhl, dessen Farbe sie nicht kannte, dessen Plastiknähte ihr aber blutige Schründe in die Seele schabten, dass sie nicht den Mund schließen konnte, dass sie nicht die Zunge, nicht die Augäpfel bewegen konnte, dass sie das Zucken der Augenlieder nicht kontrollieren konnte und darüber, dass sie all diese ihr zugefügten Gewalttätigkeiten nicht artikulieren konnte. Allein im Kopf hatte sie keinerlei Worte oder Syntax. An deren Stelle waren unwahrscheinlich heftige Gefühle und Farben getreten.

Sie saß auf ihrem grauen Plastikstuhl, wenn sie Glück hatte, konnte sie aus dem oberen Viertel des Fensters des Speisesaals hinaus blicken. Dieses Viertel unterteilte sich in ein hellgraublaues Rechteck aus Himmel und ein weiteres rotes aus einer unverputzten Backsteinmauer.

Das Tier ist tot.

Ich ziehe mir eine leichte braune Leinenjacke über den Kopf und mache eine heimliche Tür auf. Hinter der Tür liegt eine weite glühend heiße Wüste aus alten Gedanken und Gerüchen. Ich ziehe die Schuhe aus und trete in den festen heißen Sand. Mir wird ganz wunderbar zu Mute, leicht und fiebrig heiß. Spinnen und Skorpione laufen grüßend vorbei.

Vor meiner Nase auf einem Felsvorsprung züngelt eine beeindruckend große Schlange vom vergehen der Erbsünde. In einiger Entfernung stiegen die gefallenen Engel wieder hinauf in den Himmel.

In rosa Leuchtschrift steht in großen Lettern am mondlosen munter glitzernden Himmel: “Erkenntnis und sei es die eines Selbst, sei allem fürder hin gestattet.”

Die Tür hinter mir schließt sich mit einem unvermittelten Windhauch leise und die ganze dahinter liegende Welt ist verschwunden.

Auf immer und ewig.

“Gut”, denke ich und mache meine ersten stummen Wüstenschritte.

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Jul 27 2009

cancion floral moritouria

penelope araña de la selva

Mi dulce flor de la agonía
no encuentras ningún placer
en las tuberías de mi alma
que atraviesan mi tormento

Mi brava flor de tantas luchas
el inocente aleteo de mi corazón
no puede levanta el pedacito
que callado ahoga tu espíritu de vida

Mi muda flor ya te mueres
conmemorando los fallos y engaños
tomando el trago amargo por ultima vez
que domina fúnebre tu muerte

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Jul 19 2009

Kleines Sorgenmeer

penelope araña de la selva

Für einen Ozean erscheint das Mittelmeer
nur als mittelmäßiges Meer.

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Jul 16 2009

Sorgenberge

silly tzui-shang

ein Berg voll Wäsche
ein Berg voll Geschirr

und dann geht mein Freund Wandern in die Berge
ohne mich – Männerurlaub

ein Berg voll Dokumente
ein Berg voll Berichte

und dann sitz ich da abends allein mit meinen Bergen
die immer mehr werden

von wegen Berge – das sind Haufen
Scheiße

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Jun 23 2009

Kalkreste

hanns

„Trockne das Waschbecken immer ab”,
sagte meine Mutter früher zu uns Kindern,
„sonst bleiben da so schlimme Kalkreste,
die kriegt man nie mehr weg!”

Recht hatte sie.
So ist das.

Reste, die ganzen Reste.
Die kriegt man nie mehr weg.

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Jun 16 2009

Hyazinth, der Alte. Tränen.

penelope araña de la selva

Hier und dort fallen Tränen hin,
Die Worte lassen auf sich warten,
Auf der Straße spielt ein Kind mit einer toten Maus,
Wolken verhängen den Tag bereits am Morgen.

Was soll‘s? Wer‘s mag.

Der Hosenbund am Nabel reibt,
Wie mancher Gedanke an der Stirninnenseite,
Ich hätte gerne einige Gewissheiten.
Auch die Weisheiten haben es nicht eilig.

Was soll‘s? Wer‘s trägt.

Enzianfarbene Neider lungern an allen Ecken,
Ich möchte etwas über meinen Vater sagen.
Andererseits reicht der Himmel niemals aus
Wo fängt die Lüge an, warum hört sie niemals auf?

Was soll’s ? Wer’s versteht.

Eine Strophe später fällt mir etwas ein:

Mein Vater duftet nach sterbenden Hyazinthen,
Kein Wollfaden zieht sich durchs Leben,
Es täte gut, wär es so gewesen.

Was soll’s? Wer`s glaubt.

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Mai 26 2009

Trauerweiden

penelope araña de la selva

Trauerweiden schaukeln müde ihre Häupter. Ihre langen Zweige hängen in der trüben Brühe eines Feuerwehrteichs.

Drinnen sitze ich vor einer Schale Brühe. In der Brühe schwimmen kleine selbstgemachte Trauerklösse zwischen kleinen unscheinbaren Fettaugen. Die Trauerränder an der Suppenschaleninnenseite erinnern mich an die Tränensäcke meiner Volkschullehrerin. Und ich kann es nicht verhindern, dass ich denke: “Wieder ein grosser Schluck von der Bouillon des Lebens.”

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Mai 20 2009

Du bist Terrorist

Tetlef

Du bist Terrorist 

Gefunden. Erkannt. Geschaut.

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Apr 17 2009

Ode an den Anorak

dasunbekannt

Oh mein herbstlich treuer Freund,
Wenn sich die Kräutchen draußen wieder recken,
Wenn auf der Heide Vöglein eifrig Hölzchen sammeln,
Wenn der Hase in hohen Sprüngen seiner Liebsten imponiert,
Dann mein lieber wattierter Freund ist Zeit für Dich zu gehen.

Wehe Du schreibst meinen Namen darunter!

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