Apr 23 2009

Sorgen und Krise werden teurer: 45% Wertsteigerung

hanns

Ich glaub´s ja nicht: Seitdem wir den sorgenberg im Dezember 2008 gestartet haben, sind die Mindestpreise für die Keywords “Sorgen” und “Krise” bei Google-Ads um über 45% gestiegen. Wenn ich das in Aktien angelegt hätte, ach so, Quatsch, ne, geht ja gar nicht… gerade momentan. Aber schon interessant und spannend.

Don´t worry, be… Fleischwurst

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Mrz 7 2009

Tote Bergsteiger in der Wallstreet

klausvdl

Unter ungeklärten Umständen kam es in der Nacht zum Sonntag in der Wallstreet zu einem begrenzten Erdbeben, dem drei Bergsteiger zum Opfer fielen, die auf dem Bürgersteig übernachtet hatten.

Bei den Bergsteigern handelte es sich um Finanzmarkt-Aktivisten, die auf Not leidende Bänker aufmerksam machen wollten, indem sie sich – und ich zitiere frühere Aussagen der Opfer – an der “Erstbesteigung der Wallstreet” versucht hatten, der “Westwand des globalen Sorgenberges”.

In Anlehnung an einen Sketch der berüchtigten britischen Monty-Python-Truppe kletterten die drei Aktivisten in Form einer auf dem Boden liegenden und kriechenden Seilschaft über die Bürgersteige der Wallstreet.
Ihr Basislager befand sich am Südende der Straße, nahe beim Hafen, und mit dem Erreichen der Trinity Church hätten sie zugleich den Gipfel erklommen.
Tag für Tag schlugen sie zäh ihre Haken in das Pflaster der Rinnsteine oder zwischen die Platten des Gehweges und bewältigten die klaffenden Querstraßen, indem sie zügig und ungesichert über die Zebrastreifen setzen.

Dieses engagierte Vorhaben fand letzte Nacht ein grausiges Ende, nachdem Teile der Wallstreet infolge einer seismischen Anomalie jäh absackten oder angehoben wurden, so dass sich binnen weniger Augenblicke Abhänge, Spalten und Klippen bildeten.

Jeder Bergsteiger weiß, dass das Wetter in der Wand umschlagen kann, aber die drei Aktivisten hatten offensichtlich und aus naheliegenden Gründen darauf verzichtet, sich beim Biwakieren entsprechend abzusichern.

Einer von ihnen rutschte mit seinem Schlafsack in einen Abwasserschacht, der durch das Beben bloß gelegt worden war, und stürzte in den Tod. Seine Leiche wurde inzwischen von kanalarbeitern entdeckt.

Ein weitere Leiche liegt unter Schutt und Gestein begraben und wird in den kommenden Stunden geborgen werden.

Der dritte und letzte wurde das Opfer einer Horde von verwilderten Bänkern. Die gefundenen Überreste lassen nach Angaben der Ermittler keinen anderen Schluss zu.
Dies ist nicht nur tragisch, sondern geradzu ein Skandal, denn die Behörden hatten bereits vor Wochen versichert, dieses Problem sei endgültig aus der Welt geschafft worden!

Aber allem Anschein nach verlieren immer noch Bänker ihre Jobs und werden somit zu einem Leben auf der Straße und zum Kannibalismus gezwungen. Von Natur aus lichtscheu rotten sie sich in den Kellerverstecken des Viertels zusammen und kommen des nachts hervor, wenn sie einen wehrlosen Verletzten wittern, sei es ein Opfer eines Verkehrsunfalls, sei es ein verunglückter Bergsteiger.

Es ist eine schreckliche Ironie, dass dieser letztgenannte Aktivist ausgerechnet jenen Kreaturen zum Opfer fiel, auf deren erbarmungswürdiges Schicksal er und seine Gefährten hinzuweisen gedachten.

Was das Erdbeben betrifft, so äußern sich die Geologen bislang äußerst spekulativ. Man scheint jedoch einen Zusammenhang zu vermuten zwischen dem Erdbeben und der mysteriösen Goldschmelze – wir berichteten – in der Federal Reserve Bank of New York, die sich nur zwei Blocks entfernt befindet. Bekanntlich verlieren die dort gelagerten Goldreserven vieler Staaten aufgrund von psychokinetischen Angststörungen täglich an Masse. Bei einem Schwund von tausenden von Tonnen Gold könnten sich tektonische Spannungen gelöst haben, was nichst anderes als ein Erdbenen zur Folge hätte.

Es gibt weiterhin Grund, sich Sorgen zu machen …

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Mrz 2 2009

Start Up Problematik

saripari

In der Finanzkrise gibt es nur eine Möglichkeit zu überleben: Vergessen wir den Schlaf, die Ruhe, die Entspannung, die Freude, die Freizeit, die Freunde, die Familie, den Spaß, die Lust, die Leidenschaft, den Rausch, das Essen, das Liegen, das Langweilen und den Toilettenbesuch.

Die Finanzkrise schlägt härter ein, als man denkt. Man nimmt einmal tief Luft und fängt an zu arbeiten, wenn man nicht auch vorher schon gearbeitet hatte. Und dann hoffen, dass man nicht erst Jahre später wieder ausatmen darf.

So ist das für die meisten.

Wie viel schlimmer ist es dann für die ganzen Jungunternehmer, die kurz vor der Absehbarkeit der Finanzkrise gründeten? Die hatten sich die Sicherheit erst erarbeiten wollen- und stehen jetzt unter mächtig Druck.

Ja, es ist schlimm. Es ist schlimm und alle leiden- aber wer hat jetzt noch den Mut zu sagen, “ich gründe!”. Wer traut sich einfach ein Unternehmen zu starten und dabei alle Risiken zu ignorieren? Ich könnte das nicht, auch wenn ich das vor hatte.

Natürlich geht es auch gut. Manchmal funktioniert es. Aber der kleine Mann von nebenan hat keine Chance ohne große Hilfe und ohne großen Einfluss und ohne mächtige Kontakte, je etwas zu schaffen. Ein Internet Start Up verspricht nach der Dot Com Krise einfach nur ein Verlust zu sein. Trotzdem versuchen es so viele immer und immer wieder, es führt zu nichts, es nimmt mir nur den Mut.

Ich hab keinen Bock mehr ewiger Sklave der Gesellschaft zu sein, ich hab keinen Bock mehr für den Dönerbudenmann zu arbeiten, ich will das alles selbst in die Hand nehmen und selbst, wenn ich dafür nie wieder schlafen darf- lohnt es sich nicht dafür unabhängig zu sein?

Und dann: Einkrachen jeglicher Hoffnung, weil einige wenige Banker und Manager falsche Kalkulationen und Prognosen ans Tageslicht brachten. Wie viele müssen jetzt darunter leiden?

Alles in Perspektive sehen, sicherlich: In der dritten Welt ist es schlimmer als hier, da gibt’s noch nicht mal eine funktionierende Wirtschaft. Aber das, was wir gerade machen, haben, da, wo wir hingehen- so weit weg ist das nicht. Nur auf einer anderen Entwicklungsebene. Manchmal wünschte ich, es wäre alles nicht so kompliziert.

Aber das ist es. Und ich hab keine Ahnung, wo das hinführen soll.

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Jan 23 2009

Einbruchgefahr

hanns

Neulich, noch im Winter vor dem Hochhaus einer grossen deutschen Bank in Frankfurt am Main:

Ein Eingang des Hochhauses war großflächig mit rot-weißen Banderolen abgesperrt. An jeder Seite der Absperrung war ein selbstgemacht laserausgedruckter Hinweis: “Einbruchgefahr” – da war ich schon überrascht. Dachte, die machen heute alles digital und online so ohne richtiges Geld? Oder waren gar die Börsenkurse gemeint?

“Einbruchgefahr” dieses Wort stand jetzt für mehrere Stunden ganz oben auf meiner Gedankenspielliste.

Fantasien von unermesslichem Reichtum der, wenn auch geklaut, einem mir fremden aber doch durchweg sympathischen Gaunertam in der Art von “Oceans 11″ ein luxuriöses und – natürlich – gutartiges Leben ermöglicht – bis hin zu Börsenchrash-Kurseinbruchs-Szenarien, die die eh schon marode Weltwirtschaft gänzlich zum Einknicken bringen… Eine Warnung in ganz großem Stil? Prophetisch gar? Oder meinten die netten Menschen im noblen Gehäuse, in Sorge um freundliche Fußgänger wie mich, nur: “Vorsicht, die Gehwegplatten hier vor unsrem edlen Getürme sind nicht mehr stabil, so Ihr nun hier herüberwandelt, werdet Ihr in unseren fantastisch grossen Hochhauskellern fallen und landen und finden, all was wir da gehortet haben: Schätze in Gold und Edelstein, Bargeld und lustige Autos, schöne Frauen und dicke Männer, die Getränke servieren – nun nimm mit was Du tragen kannst, Du einfacher aber eingebrochener Mensch… ”

Ein klein wenig enttäuscht war ich aber schon, als ich einige Stunden später nochmal vorbeikam und nun genauer las: “Eisbruchgefahr”.

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