Dez 21 2009

Steuererleichterung

Tetlef

wir freuen uns schon auf die nächste Steuererleichterung. Die wird die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen, die öffentlichen Kassen wieder in Ordnung bringen und für die Bildung und die Bundeswehr bleibt auch noch ordentlich was übrig.

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Mrz 30 2009

Samstagabend

penelope araña de la selva

Die Katze schaut mit bleichem Blick
in die Hunderegentropfen
Ich schaue auf die Straße,
die nass ist und auch kalt.

Wolkenspiegel in den Pfützen
Nasehochziehn im April
Graue Morgensorgenfetzen
bleiben bis zum Abendbrot.

Fehlt mir nur die Sonne?
Oder auch so manches mehr?
Kapuzinerkressegelbe Heiterkeit?
und andersfarbig stimmende Gefühle?

Mein Anorak, herbstlich grau zerschlissen
Japst unerfreut und sorgenvoll
Beim Schlissen seines Reißverschlusses
Und ich kann ihn gut verstehen.

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Jan 18 2009

Damit ihr es wisst

penelope araña de la selva

Nur damit ihr es wisst, so sieht mein 2009 aus!!!
Seit  vielen Wochen  hält mich die Angst vor dem  Jahre 2009 ächzend zwischen ihren gichtigen Griffeln.

Meine Augen kehren sich nach innen und rollen langsam meine zugeschnürte Kehle hinunter und machen in den leeren Augenhöhlen folgenden aufsteigenden Alben und Nachtschrecken Platz:

Hinten in einer kleinen unscheinbaren Kammer meiner Seele lebt ein giftgrüner feuchter Angor des untrüglichen  nahenden  Todes. Er zeigt unablässig mit überlangen arthritisch verbogenen Fingern und einem gurgelnden erstickenden Kichern in einem Kalender auf den Tag, an dem ich sterben werde. Und immer wenn ich das Datum fast erblicke, stopft er sich den Kalender genüsslich in sein sabberndes stickendes Maul  und verschlingt ihn schmatzend. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, denkt er sich Legionen von widerlichen, vulgären Prophezeiungen aus, die er mir mehrstimmig in mein Innenohr fistelt.

Sein Freund, ein schwammiger quittengelber Alb, der unverdauten alltäglichen Zumutungen, tanzt übermütige durch bodenlosen Schlick aus Achtlosigkeiten, Unverschämtheiten, Aufdringlichkeiten, Rücksichtslosigkeiten und Geschmacklosigkeiten. Mit großrahmigen Gesten verschlickert er seine Unsäglichkeiten und Grobheiten auf meiner ganzen Seele, so dass mir auf ewig Übel wird. Neu hinzukommende Anmaßungen und Gewissenlosigkeit werden mir stundenlang unter die Nase gerieben.

Ein  gediegener Schreck der sozialen  und emotionalen Verrottung, der gerne die Gestallt meiner Religionslehrerin, Frau Kühn, annimmt, zeigt mir mit unangebrachter Überschwänglichkeit 7049 Arten der existentiellsten Verrohrung, Verwüstung und Verwahrlosung, die meine Fußnägel augenblicklich zwei Zentimeter wachsen lässt und ihnen gleichfalls, die unschöne Farbe und den Geruch der anstehender Verwesung alter Männer verleiht. Angelegentlich frönt er seinem Laster der Gestalltswandlung auch in dem er mir in Gestalt  honorige Repräsentanten aus Politik, Finanzwelt oder Wirtschaftsleben erscheint. Er suhlt sich in wonniger Freude durch ihre blasigen Abgesänge, frevelhaften Lügen und geschmacklosen Versprechungen, die er mir mit einer Magensonde einverleibt um meinen Brechreiz zu umgehen,  immer und immer wieder beteuernd, dass dies die liebliche Muttermilch der Zivilisation sei.

Oft wird der Schreck der Verrottung von einem pansenförmiger Blättermageninhalt verstäubender Dämon des Hungers abgelöst. Er lässt mich darben und an den Bäuchen der in 2009 an Unterernährung versterbenden Zweijährigen riechen- alles keine Aktieninhaber kichert er. Neben bei, zeigt er in den Himmel und freut sich an dem satten Blau.

Dann gibt es noch einen feuerroten, grüne Galle spuckender Pavor des totalen Versagens, der  mit unerbitterlicher Strenge meine Ich ergreift und sich anschickt mich in seiner nach Fäulnis und Vergeblichkeit stinkender Faust, wie in einem Schraubstock zu zermalmen. Während ich zu zerbersten drohe schreit er mir eine Frage ins Gesicht:  „Und Du, was willst Du darstellen?“  Meine fehelende Untauglichkeit als Mensch malt er mit den aller anschaulichsten Farben auf ein Transparent, dass er dann dem Museum für bildende Kunst in Leipzig verkauft und ich höre mich noch seufzend, nicht mal New York.

An Tagen mit hohem Luftdruck treibt es eine  schweflewolken furzende freudlose Beklemmung an die Oberfläche meines Bewusstseins. Sie ist verantwortlich für Übersichtsverluste, Demenz, Persönlichkeitsverlust und die Wahlergebnisse in 2009. Sie freut sich über meinem grenzenlosen Orientierungsverluste und über meine verzweifelten Bemühungen mich an meiner Katze festzuhalten, während sich die kapitalistisch organisierte Weltwirtschaft in Form einer klebrigen Suspension aus Derivaten und Optionen in ein kleines nach Sprotte riechendes Loch verkriecht. Bis die Zeiten besser werden….

Nicht selten besucht mich in meinem Träumen ein rachitischer, lungenödemischer Nachtmahr der Vernachlässigung und des blanken Schreckens. Er läuft durch die Welt und verkündet auf jedem Flecken Gegenständlichkeit, sofern dieser so groß wie ein einzelnes Blatt Toilettenpapier ist, dass das Leben eine nichtswürdige fragwürdige und unerfreuliche Zumutung ist und dass es gerade in diesem Jahr besonders unerfreulich wird.

Während ich hier sitze und mich verzweifel um Vollständigkeit bemühe, küsst mich ein tuberkulöser aber bärenstarker Wechselbalg, der persönlichen Nichtswürdigkeit, unablässig auf den Mund und schreit bei jedem erzwungenen Kuss mit überschwänglicher Selbstzufriedenheit: „Der Adler ist gelandet!“

So wird mein 2009

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Jan 1 2009

Die Furcht vor dem Morgen (nach dem gestern) …

m.a.

Um halb vier mittags aufgewacht

den halben Tag schon rumgebracht

im Kopf der Kater tobt wie blöd

will hoffen dass es besser geht

am zweiten Tag des Jahres,

der erste jedenfalls, der war es

wohl nicht so sehr, was man erhoff’

als man um den Verstand sich soff

auf der Silvesterfeier

zwölf Gläschen waren’s mit Frau Meier

und acht der Kurzen mit Herrn Schmidt

der kriegt heute sicher auch nix mit.

Was wollte eigentlich ich sagen

achja, mein Kater tut mich plagen

und zwar in meinem Kopfe der

und auch der echte will noch mehr

zu fressen haben in der Früh

dabei ist doch mein Nerv perdu

und mir bleibt nur zu hoffen,

morgen bin ich nicht mehr so besoffen.

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Dez 23 2008

jahraus

arzt

jahraus am baum die lichter brennen hell und laut
und künden an wovor uns lange zeit schon graut

das nächste jahr

das ganze letzte hat man damit zugebracht
sich auszudenken, was fürs nächste jahr uns sorgen macht

gefunden hat man viel, ein jahr ist lang
vor wenig sorgen ist zuletzt uns bang

beruhigt der guten vorbereitung wegen
wir uns entspannt aufs sofa legen

und mit allerbester schlechter laune
dem bösen neuen jahr zuprosten

soll’s doch kommen

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Dez 19 2008

Diesmal…

penelope araña de la selva

Diesmal wird es selbstverständlich schlimmer
schlimmer noch als je zuvor
Keinesfalls wirds irgendwann auch besser werden
nimmer niemals nie mehr gut
Das lieb gewonnene Knirschen im Getriebe
unserer guten alten wohlvertrauten Welt
erstirbt verzagt beim Untergehen der selben

Das neue Jahr lauert düster und verschlagen
im dunklen Wald der Ängste und Phantome
finstere Ahnungen flattern unruhig über unsren Köpfen
nach vorne schaut schon lange keiner mehr
stattdessen versuchen wir mit Blicken das Oben hoch zu halten
das Fallen noch zu hindern, des Himmels und des eigenen Ichs
Mein kleiner zarter Lebensmut zaudert, hadert und vereist

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