Aug 23 2011

Die Zukunft

hanns

Bald wird uns das Benzin ausgehen, und auch der Strom wird knapp. Wir werden erst nur noch kaltes Wasser haben, dann wird bald die Wasserversorgung ganz zusammenbrechen. Es gibt keine Freunde mehr. Die Politik ist ratlos, sie hat versagt. Auch die Verwandten und Haustiere wenden sich ab. Unsere Autos verrotten dort wo sie nicht von Plünderern auseinandergenommen werden vor unseren kaputten Häusern. In denen sitzen wir, bewegungslos, hungernd, durstig, stinkend, allein – und haben Angst. Wir werden sterbsen. Alle.

Ja, sterbsen, was auch immer das bedeutet. Das denke ich mir später irgendwann aus.

Angst ist ein schwarzes Loch (Hier in Blau dargestellt)

Angst ist ein schwarzes Loch (Hier in Blau dargestellt)

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Nov 19 2010

riesen und zwerge

astrid kohlmeier

wer sprachlos schweigt

in meinem all aus wortplaneten

begräbt uns

tot

in roter stille

schrill modern sie in mir

die riesen und die zwerge

aus mir unbekannten welten

so kalt, so unzugänglich,

dass nur die zähne klappern

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Nov 18 2010

Olli sorgt besser als Sonja

Jack

Ich wette, dass es so nicht weitergeht. So nicht!
Und dann?
Meine Güte.
Und selbst wenn ich nicht drauf wette. Weiter geht’s davon auch nicht. Nicht so.
Und jetzt????

So kann’s nicht weitergehen, sagt Sonja. Mit dir, meine ich.
Das sagt sie immer, wenn’s mir so geht. Wenn ich nicht weiter und überhaupt rein gar nichts mehr weiß.
Red doch ma wie andere Menschen, sagt sie.
Wie andere Menschen, äff ich. Wie denn, was meinst’n damit?
Na so normal halt, sagt Sonja. Und ein klitzekleines Lächeln segelt um ihren Mundwinkel.
Das brennt mich nieder, dieses Lächeln, legt mich SOFORT in Asche.
Du verstehst mich eben nicht! Und: Wie soll das denn bitte mit UNS weitergehen, wenn wir uns immer nicht verstehen??
Sie sagt: Ich sag jetzt besser nix mehr.
Aber dann sagt sie doch noch was: Leg dich doch einfach ins Bett. Und schlaf drüber. Hm?
Toll. Danke auch! Wie soll man denn schlafen mit sonem Sorgenbergklumpen im Bauch?

Ich ruf jetzt den Olli an. Der versteht mich. Der versteht wie’s einem geht, wenns nicht weitergeht und der eigenen Freundin ist es egal. EGAL!
Hallihallo, Olli! Der Olli, hollihallor, der hat sofort ein Ohr. Auf den ist Verlass, weil dem auch immer grade die Felle davonschwimmen. Echt ein Phänomen. Mit wem der’s auch aufnimmt, im Schlechtgehen bleibt er Sieger.
Na Olli, wie geht’s n so…. hm… achja. Dir auch scheiße? Mann, da bin ich aber froh! Na ja, nichts für ungut – erzähl doch mal …
….
zz zzz zz zz zz zz z
zzzz zzzzzzZZZZZ

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Sep 8 2010

bodenkies

notstrom

.. jemand hat gerade die ganze scheisse vom bodenkies aufgerührt. nichts zu sehen. wohin ich mich wende das gleiche bild. aus meiner erinnerung weiß ich, daß da vorne mal was zu sehen war. ich konnte zwar nie weiter als bis dorthin, es gab aber wenigstens etwas zu sehen. etwas bewegte sich. das bereuhigt mich. ich warte also bis sich der ganze mist gesetzt hat und ich wieder an meiner scheibe entlang schwimmen kann…

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Jan 19 2010

Seelensuppe

penelope araña de la selva

Seelensuppe, Seelensuppe, Seelensuppe,
auf dem Weg zum Arbeit kocht  die Seele schon,
Schweinefüsse, Schweinerüssel und auch Ohren,
Giftig grüne Dämpfe, gallig stinkende Gestänke,
steigen friedlich auf zum Horizont,

Seelensuppe, Seelensuppe, Seelensuppe,
geschmeidig senke ich Torpedos,
in das Dunkle des Asphalts,
und sie suchen gewissenhaft und schweigend,
die Herzen meiner Feinde auf,

Seelensuppe, Seelensuppe, Seelensuppe,
doch wo bleibt das so verdiente,
jugendliche Herzensjauchzen,
wenn das Böse ganz präzise,
meine Phantasien erfüllt?

Seelensuppe

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Nov 22 2009

hellnichtwirdnicht

penelope araña de la selva

nicht hell nicht wird der Tag
nur dunkel bleibts
nicht froh nicht wird mein Herz
nur traurig bleibts

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Sep 2 2009

“As in heaven, as in hell” oder “Morpheus”

penelope araña de la selva

Gestern.

Gestern als ich zur Arbeit fuhr, ganz früh, da fuhr ich an den alten Rhein-Armen entlang, ich sah Störche auf einem Bein, den Kopf ins Gefieder gesteckt, kleine Karnickel rauften auf der Weide, schläfrige Pferde warteten auf ein deftiges Frühstück aus Melasse.

Der Wind war feucht und kühl, weil gerade die Feuchtigkeit aus den Wiesen aufstieg, kleine Nebelwölkchen waberten zwischen den langen Haaren der Weiden hindurch, ein paar Gänse reckten die Hälse und ruderten mit den Flügeln zur Entspannung – einfach nur so, ganz ohne Grund und ohne Befindlichkeit.

Behaglichkeit machte sich nicht in mir bemerkbar, ich war ein kleines eingeklemmtes Päckchen, dessen akkurate Verpackung an mehreren Stellen eingerissen war. Abgegriffen und angegammelt wie eine überreife Banane in der Vorderladertasche eines Kinderwagens am Montagmorgen, aber schon seit Freitag darin vergessen. Gedrückt und angebissen wieder zusammengeklappt und abgestanden.

Am Anfang.

Am Anfang war das Tier nur da, wenn ich schlafen ging. Ich schloß die Augen und das Tier saß oben an der Decke und schaute auf mich herab.

Das Tier ist nichts besonderes, es nicht schrecklich und grauenerregend, nur ein Tier an der Decke meines Schlafzimmers. Das mag niemanden interessieren. Aber es ist so.

Zu der Zeit als das Tier auftauchte, begann meine Sprachmüdigkeit, die Worte wisperten hinter der Bindehaut meines Hirns, aber die Lippen lagen schwer und müde auf einander. Viele Worte blieben unausgesprochen.

Das Reden versiegte nicht gleich vollkommen. Es wurde weniger, uneindeutiger und verirrte sich in kognitiven Alliterationen, Sammelsurien aller Möglichkeiten.

Wenn das Telefon in meinem Büro klingelte, zerbrach der stille Spiegel meiner Sprache und die wilde See brandete herauf. Griff ich nach dem Hörer, dann sprangen sie bereits alle auf einmal hilfsbereit und euphorisch auf mich zu, die geschmeidigen Redewendungen und süsslichen Höflichkeiten, die gleichgültigen Floskeln und biederen einstudierten Begütigungsphrasen.

Alle auf einmal stoben sie wild galoppierend und brünftig schnaubend aus meinem Mund, ohne Sinn und Verstand, fielen sie sich gegenseitig ins Wort und verstümmelten sich in ihrem wahnsinnigen Toben zu sinnlosen Silbenbrüchen und Wortkratern.

In diesem ungebärdeten Tosen der Worte, verlor ich irgendwann die Sprache, nicht die Fähigkeit zu sprechen, sondern das alles was Sprache mehr ist als eine Anzahl von Worten.

Das Tier.

Zu dieser Zeit, begegnete ich dem Tier auch an anderen Orten, unvermittelt, kreuzte es vor mir eine Straße, saß neben mir in der U-Bahn oder im Cafe am Nebentisch, ich versuchte es zu ignorieren, das Tier seinerseits schien mich nicht wahrzunehmen.

Das Versagen der Sprache, ihre Satzlosigkeiten, führte allmählich zum Verlust des Sprechens. Erst war es eine Art der Sprachmüdigkeit, zu viele Bilder und Worte meldeten sich gleichzeitig “zu Wort”. Die Worte strömten an mir vorbei und gleichzeitig fand ich kein einziges, dass mir über meine Lippen gefolgt wäre.

So kam zu der Wortüberdrüssigkeit auch eine Wortvergessenheit oder Verzagtheit, die Worte versagten sich mir.

Ich sah die Morpheme weit entfernt hinter einer dicken glasklaren Gletschereisschicht hastig vorbei rauschen. Das Eis ließ kein Plätschern oder Knacken an die Oberfläche dringen, der ungeheuerliche akustische Tremor wurde langsam unter einer wachsenden jahrtausendealten Eisschicht erstickt. Die Worte waren verstummt.

Das Tier sagte, sein Name sei Morpheus und zeigte mit seinen Pranken in den trostlosen Sternenhimmel. Das Schreiben folgte dem Sprechen.

In den Armen des Morpheus.

Von ihrem rechten Mundwinkel war bereist vor Stunden ein Speichelfaden herab geglitten. Dieser Speichelfaden lag auf ihrer rechten Schulter und wurde ständig mit neuem Speichel versorgt, so dass sich mittlerweile ein unangenehmer nasser Fleck auf ihrer Schulter gebildet hatte.

Sie empfand eine bestürzende Beklemmung darüber, dass sie sich nicht bewegen konnte, dass sie nur sitzen musste, auf einem harten Plastikstuhl, dessen Farbe sie nicht kannte, dessen Plastiknähte ihr aber blutige Schründe in die Seele schabten, dass sie nicht den Mund schließen konnte, dass sie nicht die Zunge, nicht die Augäpfel bewegen konnte, dass sie das Zucken der Augenlieder nicht kontrollieren konnte und darüber, dass sie all diese ihr zugefügten Gewalttätigkeiten nicht artikulieren konnte. Allein im Kopf hatte sie keinerlei Worte oder Syntax. An deren Stelle waren unwahrscheinlich heftige Gefühle und Farben getreten.

Sie saß auf ihrem grauen Plastikstuhl, wenn sie Glück hatte, konnte sie aus dem oberen Viertel des Fensters des Speisesaals hinaus blicken. Dieses Viertel unterteilte sich in ein hellgraublaues Rechteck aus Himmel und ein weiteres rotes aus einer unverputzten Backsteinmauer.

Das Tier ist tot.

Ich ziehe mir eine leichte braune Leinenjacke über den Kopf und mache eine heimliche Tür auf. Hinter der Tür liegt eine weite glühend heiße Wüste aus alten Gedanken und Gerüchen. Ich ziehe die Schuhe aus und trete in den festen heißen Sand. Mir wird ganz wunderbar zu Mute, leicht und fiebrig heiß. Spinnen und Skorpione laufen grüßend vorbei.

Vor meiner Nase auf einem Felsvorsprung züngelt eine beeindruckend große Schlange vom vergehen der Erbsünde. In einiger Entfernung stiegen die gefallenen Engel wieder hinauf in den Himmel.

In rosa Leuchtschrift steht in großen Lettern am mondlosen munter glitzernden Himmel: “Erkenntnis und sei es die eines Selbst, sei allem fürder hin gestattet.”

Die Tür hinter mir schließt sich mit einem unvermittelten Windhauch leise und die ganze dahinter liegende Welt ist verschwunden.

Auf immer und ewig.

“Gut”, denke ich und mache meine ersten stummen Wüstenschritte.

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Mai 26 2009

Trauerweiden

penelope araña de la selva

Trauerweiden schaukeln müde ihre Häupter. Ihre langen Zweige hängen in der trüben Brühe eines Feuerwehrteichs.

Drinnen sitze ich vor einer Schale Brühe. In der Brühe schwimmen kleine selbstgemachte Trauerklösse zwischen kleinen unscheinbaren Fettaugen. Die Trauerränder an der Suppenschaleninnenseite erinnern mich an die Tränensäcke meiner Volkschullehrerin. Und ich kann es nicht verhindern, dass ich denke: “Wieder ein grosser Schluck von der Bouillon des Lebens.”

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Apr 23 2009

Sorgen und Krise werden teurer: 45% Wertsteigerung

hanns

Ich glaub´s ja nicht: Seitdem wir den sorgenberg im Dezember 2008 gestartet haben, sind die Mindestpreise für die Keywords “Sorgen” und “Krise” bei Google-Ads um über 45% gestiegen. Wenn ich das in Aktien angelegt hätte, ach so, Quatsch, ne, geht ja gar nicht… gerade momentan. Aber schon interessant und spannend.

Don´t worry, be… Fleischwurst

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Apr 10 2009

you say it, we play it

hanns

as usual,  Spiegel:

IWF sagt Deutschland drastischen Konjunktureinbruch voraus

Fünf Prozent Minus beim deutschen Bruttoinlandsprodukt, drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit und des Staatsdefizits: Der Internationale Währungsfonds zeichnet nach SPIEGEL-Informationen ein düsteres Bild von der Wirtschaftslage Deutschlands. Auch 2010 dürfte ein schwieriges Jahr werden.

-…. und so weiter..

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