Aug 23 2011

Die Zukunft

hanns

Bald wird uns das Benzin ausgehen, und auch der Strom wird knapp. Wir werden erst nur noch kaltes Wasser haben, dann wird bald die Wasserversorgung ganz zusammenbrechen. Es gibt keine Freunde mehr. Die Politik ist ratlos, sie hat versagt. Auch die Verwandten und Haustiere wenden sich ab. Unsere Autos verrotten dort wo sie nicht von Plünderern auseinandergenommen werden vor unseren kaputten Häusern. In denen sitzen wir, bewegungslos, hungernd, durstig, stinkend, allein – und haben Angst. Wir werden sterbsen. Alle.

Ja, sterbsen, was auch immer das bedeutet. Das denke ich mir später irgendwann aus.

Angst ist ein schwarzes Loch (Hier in Blau dargestellt)

Angst ist ein schwarzes Loch (Hier in Blau dargestellt)

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Jan 28 2010

Winterkalt Haiku

hanns

der winter ist da,
prickelkalt, wir leiden sehr,
in mir viel schmerzen.

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Jan 10 2010

Schneefallwarnung aus dem Raum Frankfurt

hanns

Achtung, Vorsicht, Winterzeit,
es ist Januar und es schneit.
Totale Panik macht sich breit.

Die Regierung rät zum Hamsterkauf,
Gerutscht, Geunfallt wird zuhauf.

Auch Flugzeughäfen und die Bahn,
wer wundert sich, sie liegen lahm.

Was ist das für´n schlimmer Schreck,
die Erderwärmung ist sie weg?

Jetzt wo wir´s mal wärmer haben wollen,
schmelzen an den Polen nicht mehr die Schollen?

Das ist Betrug und sehr gemein,
kann die Natur nicht zuverläss´ger sein?

Nun denn, Hauptsache Panik, Angst und Schrecken,
nur so kann man uns für die Werbeblöck´ noch wecken.

Schulausfall, Hungersangst und Zittern,
das muss man doch gleich mehrfach Twittern.

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Okt 21 2009

Roboter aus der Vergangenheit

hanns

Drei Kampfroboter, die darauf warten, die Erde und uns retten zu können

Jedesmal, wenn ich früher mit meinen Eltern in den “Massa-Markt” fahren durftemusste, hab ich sie gesehen: die großen Kampfroboter im bauschheimer Umspannwerk. Sie standen immer ganz ruhig da und schienen zu warten. Ich fand das sehr beruhigend – denn ich hab mir immer vorgestellt, dass sie bereit standen, die Erde vor ausserirdischen Angriffen zu schützen und natürlich auch die Bundesrepublik vor den kommunistischen Horden.

Heute endlich, fast zwanzig Jahre später hab ich die Dinger mal fotografiert. Die sehen immer noch so aus wie Roboter, wie Hoffnung…

Rettungsrobot 1

und der Robot Nummer 2

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Sep 2 2009

“As in heaven, as in hell” oder “Morpheus”

penelope araña de la selva

Gestern.

Gestern als ich zur Arbeit fuhr, ganz früh, da fuhr ich an den alten Rhein-Armen entlang, ich sah Störche auf einem Bein, den Kopf ins Gefieder gesteckt, kleine Karnickel rauften auf der Weide, schläfrige Pferde warteten auf ein deftiges Frühstück aus Melasse.

Der Wind war feucht und kühl, weil gerade die Feuchtigkeit aus den Wiesen aufstieg, kleine Nebelwölkchen waberten zwischen den langen Haaren der Weiden hindurch, ein paar Gänse reckten die Hälse und ruderten mit den Flügeln zur Entspannung – einfach nur so, ganz ohne Grund und ohne Befindlichkeit.

Behaglichkeit machte sich nicht in mir bemerkbar, ich war ein kleines eingeklemmtes Päckchen, dessen akkurate Verpackung an mehreren Stellen eingerissen war. Abgegriffen und angegammelt wie eine überreife Banane in der Vorderladertasche eines Kinderwagens am Montagmorgen, aber schon seit Freitag darin vergessen. Gedrückt und angebissen wieder zusammengeklappt und abgestanden.

Am Anfang.

Am Anfang war das Tier nur da, wenn ich schlafen ging. Ich schloß die Augen und das Tier saß oben an der Decke und schaute auf mich herab.

Das Tier ist nichts besonderes, es nicht schrecklich und grauenerregend, nur ein Tier an der Decke meines Schlafzimmers. Das mag niemanden interessieren. Aber es ist so.

Zu der Zeit als das Tier auftauchte, begann meine Sprachmüdigkeit, die Worte wisperten hinter der Bindehaut meines Hirns, aber die Lippen lagen schwer und müde auf einander. Viele Worte blieben unausgesprochen.

Das Reden versiegte nicht gleich vollkommen. Es wurde weniger, uneindeutiger und verirrte sich in kognitiven Alliterationen, Sammelsurien aller Möglichkeiten.

Wenn das Telefon in meinem Büro klingelte, zerbrach der stille Spiegel meiner Sprache und die wilde See brandete herauf. Griff ich nach dem Hörer, dann sprangen sie bereits alle auf einmal hilfsbereit und euphorisch auf mich zu, die geschmeidigen Redewendungen und süsslichen Höflichkeiten, die gleichgültigen Floskeln und biederen einstudierten Begütigungsphrasen.

Alle auf einmal stoben sie wild galoppierend und brünftig schnaubend aus meinem Mund, ohne Sinn und Verstand, fielen sie sich gegenseitig ins Wort und verstümmelten sich in ihrem wahnsinnigen Toben zu sinnlosen Silbenbrüchen und Wortkratern.

In diesem ungebärdeten Tosen der Worte, verlor ich irgendwann die Sprache, nicht die Fähigkeit zu sprechen, sondern das alles was Sprache mehr ist als eine Anzahl von Worten.

Das Tier.

Zu dieser Zeit, begegnete ich dem Tier auch an anderen Orten, unvermittelt, kreuzte es vor mir eine Straße, saß neben mir in der U-Bahn oder im Cafe am Nebentisch, ich versuchte es zu ignorieren, das Tier seinerseits schien mich nicht wahrzunehmen.

Das Versagen der Sprache, ihre Satzlosigkeiten, führte allmählich zum Verlust des Sprechens. Erst war es eine Art der Sprachmüdigkeit, zu viele Bilder und Worte meldeten sich gleichzeitig “zu Wort”. Die Worte strömten an mir vorbei und gleichzeitig fand ich kein einziges, dass mir über meine Lippen gefolgt wäre.

So kam zu der Wortüberdrüssigkeit auch eine Wortvergessenheit oder Verzagtheit, die Worte versagten sich mir.

Ich sah die Morpheme weit entfernt hinter einer dicken glasklaren Gletschereisschicht hastig vorbei rauschen. Das Eis ließ kein Plätschern oder Knacken an die Oberfläche dringen, der ungeheuerliche akustische Tremor wurde langsam unter einer wachsenden jahrtausendealten Eisschicht erstickt. Die Worte waren verstummt.

Das Tier sagte, sein Name sei Morpheus und zeigte mit seinen Pranken in den trostlosen Sternenhimmel. Das Schreiben folgte dem Sprechen.

In den Armen des Morpheus.

Von ihrem rechten Mundwinkel war bereist vor Stunden ein Speichelfaden herab geglitten. Dieser Speichelfaden lag auf ihrer rechten Schulter und wurde ständig mit neuem Speichel versorgt, so dass sich mittlerweile ein unangenehmer nasser Fleck auf ihrer Schulter gebildet hatte.

Sie empfand eine bestürzende Beklemmung darüber, dass sie sich nicht bewegen konnte, dass sie nur sitzen musste, auf einem harten Plastikstuhl, dessen Farbe sie nicht kannte, dessen Plastiknähte ihr aber blutige Schründe in die Seele schabten, dass sie nicht den Mund schließen konnte, dass sie nicht die Zunge, nicht die Augäpfel bewegen konnte, dass sie das Zucken der Augenlieder nicht kontrollieren konnte und darüber, dass sie all diese ihr zugefügten Gewalttätigkeiten nicht artikulieren konnte. Allein im Kopf hatte sie keinerlei Worte oder Syntax. An deren Stelle waren unwahrscheinlich heftige Gefühle und Farben getreten.

Sie saß auf ihrem grauen Plastikstuhl, wenn sie Glück hatte, konnte sie aus dem oberen Viertel des Fensters des Speisesaals hinaus blicken. Dieses Viertel unterteilte sich in ein hellgraublaues Rechteck aus Himmel und ein weiteres rotes aus einer unverputzten Backsteinmauer.

Das Tier ist tot.

Ich ziehe mir eine leichte braune Leinenjacke über den Kopf und mache eine heimliche Tür auf. Hinter der Tür liegt eine weite glühend heiße Wüste aus alten Gedanken und Gerüchen. Ich ziehe die Schuhe aus und trete in den festen heißen Sand. Mir wird ganz wunderbar zu Mute, leicht und fiebrig heiß. Spinnen und Skorpione laufen grüßend vorbei.

Vor meiner Nase auf einem Felsvorsprung züngelt eine beeindruckend große Schlange vom vergehen der Erbsünde. In einiger Entfernung stiegen die gefallenen Engel wieder hinauf in den Himmel.

In rosa Leuchtschrift steht in großen Lettern am mondlosen munter glitzernden Himmel: “Erkenntnis und sei es die eines Selbst, sei allem fürder hin gestattet.”

Die Tür hinter mir schließt sich mit einem unvermittelten Windhauch leise und die ganze dahinter liegende Welt ist verschwunden.

Auf immer und ewig.

“Gut”, denke ich und mache meine ersten stummen Wüstenschritte.

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Jun 5 2009

Der Feind ist wieder da

Tetlef

Immer wenn das Licht im Hof angeht,
habe ich ihn schon längst
gerochen, gehört, geschmeckt, den

Feind.

Er schleicht sich ein, ein dreister,
grauer, stinkender, unverschämter,

Feind.

Er springt über meinen Zaun,
läuft durch meinen Hof,
und hinterlässt reibend,
seine Spuren an meinen Bäumen,
der

Feind.

Dann werde ich laut,
ich hasse, zerfetze, verblute
und zernichte ihn,
in Gedanken,

den blöden grauen Kater in meinem Garten.

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Mai 26 2009

Trauerweiden

penelope araña de la selva

Trauerweiden schaukeln müde ihre Häupter. Ihre langen Zweige hängen in der trüben Brühe eines Feuerwehrteichs.

Drinnen sitze ich vor einer Schale Brühe. In der Brühe schwimmen kleine selbstgemachte Trauerklösse zwischen kleinen unscheinbaren Fettaugen. Die Trauerränder an der Suppenschaleninnenseite erinnern mich an die Tränensäcke meiner Volkschullehrerin. Und ich kann es nicht verhindern, dass ich denke: “Wieder ein grosser Schluck von der Bouillon des Lebens.”

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Mai 20 2009

Du bist Terrorist

Tetlef

Du bist Terrorist 

Gefunden. Erkannt. Geschaut.

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Mai 14 2009

Ich bin mit dem Zug gefahr´n

hanns

“Heute fahr ich mit dem Zug”, das dacht´ich mir,
Spar´ den Streß mit dem Berufsverkehr,
trink auf dem Rückweg gleich ein Bier,
Sitzt mir gegenüber einer, der trank schon viel viel mehr,

Ich denk´mir nun, “Was soll ich machen,
der wird – so wie er guckt – gleich Bröckchen lachen”

“So long S-Bahn-Fahrten”, sag ich nun,
“Werd´s in ein paar Monaten vielleicht mal wieder tun”.

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Apr 10 2009

you say it, we play it

hanns

as usual,  Spiegel:

IWF sagt Deutschland drastischen Konjunktureinbruch voraus

Fünf Prozent Minus beim deutschen Bruttoinlandsprodukt, drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit und des Staatsdefizits: Der Internationale Währungsfonds zeichnet nach SPIEGEL-Informationen ein düsteres Bild von der Wirtschaftslage Deutschlands. Auch 2010 dürfte ein schwieriges Jahr werden.

-…. und so weiter..

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