Mai 26 2009

Trauerweiden

penelope araña de la selva

Trauerweiden schaukeln müde ihre Häupter. Ihre langen Zweige hängen in der trüben Brühe eines Feuerwehrteichs.

Drinnen sitze ich vor einer Schale Brühe. In der Brühe schwimmen kleine selbstgemachte Trauerklösse zwischen kleinen unscheinbaren Fettaugen. Die Trauerränder an der Suppenschaleninnenseite erinnern mich an die Tränensäcke meiner Volkschullehrerin. Und ich kann es nicht verhindern, dass ich denke: “Wieder ein grosser Schluck von der Bouillon des Lebens.”

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Mai 20 2009

Du bist Terrorist

Tetlef

Du bist Terrorist 

Gefunden. Erkannt. Geschaut.

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Mrz 30 2009

Samstagabend

penelope araña de la selva

Die Katze schaut mit bleichem Blick
in die Hunderegentropfen
Ich schaue auf die Straße,
die nass ist und auch kalt.

Wolkenspiegel in den Pfützen
Nasehochziehn im April
Graue Morgensorgenfetzen
bleiben bis zum Abendbrot.

Fehlt mir nur die Sonne?
Oder auch so manches mehr?
Kapuzinerkressegelbe Heiterkeit?
und andersfarbig stimmende Gefühle?

Mein Anorak, herbstlich grau zerschlissen
Japst unerfreut und sorgenvoll
Beim Schlissen seines Reißverschlusses
Und ich kann ihn gut verstehen.

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Mrz 7 2009

Tote Bergsteiger in der Wallstreet

klausvdl

Unter ungeklärten Umständen kam es in der Nacht zum Sonntag in der Wallstreet zu einem begrenzten Erdbeben, dem drei Bergsteiger zum Opfer fielen, die auf dem Bürgersteig übernachtet hatten.

Bei den Bergsteigern handelte es sich um Finanzmarkt-Aktivisten, die auf Not leidende Bänker aufmerksam machen wollten, indem sie sich – und ich zitiere frühere Aussagen der Opfer – an der “Erstbesteigung der Wallstreet” versucht hatten, der “Westwand des globalen Sorgenberges”.

In Anlehnung an einen Sketch der berüchtigten britischen Monty-Python-Truppe kletterten die drei Aktivisten in Form einer auf dem Boden liegenden und kriechenden Seilschaft über die Bürgersteige der Wallstreet.
Ihr Basislager befand sich am Südende der Straße, nahe beim Hafen, und mit dem Erreichen der Trinity Church hätten sie zugleich den Gipfel erklommen.
Tag für Tag schlugen sie zäh ihre Haken in das Pflaster der Rinnsteine oder zwischen die Platten des Gehweges und bewältigten die klaffenden Querstraßen, indem sie zügig und ungesichert über die Zebrastreifen setzen.

Dieses engagierte Vorhaben fand letzte Nacht ein grausiges Ende, nachdem Teile der Wallstreet infolge einer seismischen Anomalie jäh absackten oder angehoben wurden, so dass sich binnen weniger Augenblicke Abhänge, Spalten und Klippen bildeten.

Jeder Bergsteiger weiß, dass das Wetter in der Wand umschlagen kann, aber die drei Aktivisten hatten offensichtlich und aus naheliegenden Gründen darauf verzichtet, sich beim Biwakieren entsprechend abzusichern.

Einer von ihnen rutschte mit seinem Schlafsack in einen Abwasserschacht, der durch das Beben bloß gelegt worden war, und stürzte in den Tod. Seine Leiche wurde inzwischen von kanalarbeitern entdeckt.

Ein weitere Leiche liegt unter Schutt und Gestein begraben und wird in den kommenden Stunden geborgen werden.

Der dritte und letzte wurde das Opfer einer Horde von verwilderten Bänkern. Die gefundenen Überreste lassen nach Angaben der Ermittler keinen anderen Schluss zu.
Dies ist nicht nur tragisch, sondern geradzu ein Skandal, denn die Behörden hatten bereits vor Wochen versichert, dieses Problem sei endgültig aus der Welt geschafft worden!

Aber allem Anschein nach verlieren immer noch Bänker ihre Jobs und werden somit zu einem Leben auf der Straße und zum Kannibalismus gezwungen. Von Natur aus lichtscheu rotten sie sich in den Kellerverstecken des Viertels zusammen und kommen des nachts hervor, wenn sie einen wehrlosen Verletzten wittern, sei es ein Opfer eines Verkehrsunfalls, sei es ein verunglückter Bergsteiger.

Es ist eine schreckliche Ironie, dass dieser letztgenannte Aktivist ausgerechnet jenen Kreaturen zum Opfer fiel, auf deren erbarmungswürdiges Schicksal er und seine Gefährten hinzuweisen gedachten.

Was das Erdbeben betrifft, so äußern sich die Geologen bislang äußerst spekulativ. Man scheint jedoch einen Zusammenhang zu vermuten zwischen dem Erdbeben und der mysteriösen Goldschmelze – wir berichteten – in der Federal Reserve Bank of New York, die sich nur zwei Blocks entfernt befindet. Bekanntlich verlieren die dort gelagerten Goldreserven vieler Staaten aufgrund von psychokinetischen Angststörungen täglich an Masse. Bei einem Schwund von tausenden von Tonnen Gold könnten sich tektonische Spannungen gelöst haben, was nichst anderes als ein Erdbenen zur Folge hätte.

Es gibt weiterhin Grund, sich Sorgen zu machen …

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Jan 5 2009

richtig besoffen

arzt

richtig besoffen
endlich mal wieder
richtig besoffen
wie früher
als das noch die einzige sorge war

richtig besoffen
endlich mal wieder
richtig besoffen
wie früher
bevor man die unschuld verlor

richtig besoffen
endlich mal wieder
richtig besoffen
wie früher
und nie wieder

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